Republikaner fordern Trump zum Rückzug auf

Washington · Nur zähneknirschend hatten sich viele führende Republikaner hinter Donald Trump gestellt. Nach Bekanntwerden eines Skandalvideos haben sich über zwei Dutzend prominente Parteimitglieder von ihrem Präsidentschaftskandidaten distanziert.

 Die Rufe nach einem Verzicht auf die Kandidatur werden immer lauter. Doch Donald Trump will nicht aufgeben. Foto: Maury/dpa

Die Rufe nach einem Verzicht auf die Kandidatur werden immer lauter. Doch Donald Trump will nicht aufgeben. Foto: Maury/dpa

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Nach Veröffentlichung eines Skandalvideos bricht dem US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump die Unterstützung aus der eigenen Partei weg. Viele Republikaner zeigten sich empört und angeekelt. Bis zum Samstagabend entzogen über zwei Dutzend Senatoren, Abgeordnete und Gouverneure ihrem Kandidaten die Unterstützung. Der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain erklärte, er werde bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen. Dessen jüngstes Verhalten und seine verächtlichen Aussagen über Frauen machten es ihm unmöglich, den Kandidaten weiter zu unterstützen. Die Senatorin Kelly Ayotte und weitere Abgeordnete hatten sich zuvor ähnlich geäußert. Andere Republikaner wie die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice gingen noch einen Schritt weiter und forderten Trumps Rückzug.

Trump beharrte, er werde "niemals" aus dem Rennen ums Weiße Haus steigen. Die Affäre setzte ihn kurz vor dem zweiten TV-Duell gegen Herausforderin Hillary Clinton am Sonntagabend (vergangene Nacht um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit) gewaltig unter Druck. Hillary Clinton nannte Trumps Äußerungen über Frauen "schrecklich". Sie appellierte an die Wählerschaft: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird." Analysten sagten eine weitere Absetzbewegung in der Partei für den Fall voraus, dass Trump erneut schlecht abschneiden sollte.

Die "Washington Post" hatte am Freitag ein Video von 2005 mit vulgären und frauenverachtenden Äußerungen Trumps veröffentlicht. "Wenn Du ein Star bist, dann lassen sie Dich ran", prahlte Trump dabei im Gespräch mit einem Fernsehmoderator. "Du kannst alles machen." Er könne sogar Frauen zwischen die Beine grapschen, brüstete sich Trump mit sexuellen Übergriffen. Die Veröffentlichung schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah. "Jeder der mich kennt, weiß, dass diese Worte nicht wiedergeben, wer ich bin", fuhr er fort und bekräftigte: "Ich habe es gesagt, es war falsch, und ich entschuldige mich". Unterdessen veröffentlichten US-Medien eine weitere pikante Äußerung des Milliardärs, diesmal von 2002: Damals sagte er in einem Interview, er neige dazu, Frauen zu verlassen, wenn sie alterten. Im Alter von 35 Jahren sei es "Zeit zum Auschecken", sagte er.

US-Medien sprachen von einer "Bombenexplosion" im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne. Kritik kam sogar von Trumps Vizekandidat Mike Pence: Als Ehemann und Vater habe er sich persönlich beleidigt gefühlt, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des konservativen Politikers. "Wir werden diesen Tag noch lange in Erinnerung behalten", fasste David Gergen, der vier US-Präsidenten aus beiden Lagern beraten hat, die Lage am Samstag im Sender CNN zusammen. In den republikanischen Reihen breche gerade ein "Bürgerkrieg" aus.

Meinung:

Kolossaler Fehler

Von SZ-Mitarbeiter Friedemann Diederichs

Die jüngsten Enthüllungen disqualifizieren Trump endgültig für das Amt des US-Präsidenten. Welchen kolossalen Fehler die Republikaner mit der Berufung dieser an moralischen Maßstäben nicht interessierten egomanischen Person begangen haben, dürfte der Partei erneut aufgegangen sein. Die Revolution gegen Trump, die eigentlich auf dem Nominierungsparteitag im Juli stattfinden sollte, aber mangels Mut abgesagt wurde, soll nun nach dem Willen vieler Konservativer nachgeholt werden. Zumal sich mit dem Vize-Kandidaten Mike Pence eine mögliche Alternative anbietet. Doch einfach wird es vier Wochen vor den Wahlen nicht sein, Trump abzusägen. Er dürfte versuchen, diesen politischen Hurrikan auszusitzen.

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