Regierung sieht große Nachteile für Frauen

Gleichberechtigung stockt : Regierung sieht große Nachteile für Frauen

Frauen sind nicht nur durch geringere Löhne benachteiligt. Sie leisten auch mehr unentgeltliche Arbeit, zeigt der offizielle Gleichstellungsbericht.

Trotz mancher Fortschritte sind Frauen gegenüber Männern in vielen Lebensbereichen immer noch klar benachteiligt. Das geht aus dem aktuellen Gleichstellungsbericht hervor, den das Bundeskabinett gestern verabschiedete. Die „Gleichstellung im Sinne verwirklichter Lebensplanungen“ sei noch nicht erreicht, schreibt die Bundesregierung. Basis ist ein Experten-Gutachten über dieses Thema. Die Bundesregierung stellt einen solchen Bericht einmal pro Legislaturperiode vor.

Nach dem neuen Bericht leisten Frauen täglich über 52 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Das heißt:  Sie bringen pro Tag 87 Minuten mehr Zeit für Hausarbeit, Gartenpflege, Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen sowie ehrenamtliches Engagement auf. Dieses sogenannte Gender Care Gap wurde erstmals ermittelt.

Aber auch bei bezahlter Arbeit sind Frauen dem Bericht zufolge weiter klar benachteiligt. Ihre Bruttoverdienste sind im Schnitt 21 Prozent niedriger als die der Männer. Dabei spielt die geschlechtsspezifische Berufswahl eine Rolle, eine geringere Präsenz von Frauen in Führungspositionen, aber natürlich die familienbedingte Erwerbsunterbrechung. Doch auch bei formal gleicher Qualifikation im gleichen Beruf beträgt die Lohnlücke immer noch sechs Prozent zuungunsten der Frauen.

Durchschnittlich niedrigere Löhne und kürzere Erwerbszeiten führen auch zu deutlich niedrigeren Renten. So kommen männliche Ruheständler in den alten Bundesländern im Schnitt auf eine Rente von 1014 Euro im Monat (im Osten 973 Euro). Bei den Frauen im Westen sind es dagegen nur 583 Euro (im Osten 860 Euro). „Frauen arbeiten oft mehr und bekommen dafür weniger“, kritisierte die neue Familienministerien Katarina Barley (SPD). Um mehr Gleichstellung zu erreichen, brauche es eine bessere Unterstützung von Familien. Allerdings seien hier in den vergangenen vier Jahren auch schon „wichtige Impulse“ gesetzt worden. Als Beispiele nannte die Familienministerin den Ausbau der Kinderbetreuung sowie das Elterngeld. Nach wie vor hapere es in Deutschland aber an der Aufwertung von sozialen Berufen, so Barley. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD)  drängt hier schon seit längerer Zeit auf einen „Tarifvertrag Soziales“ für Altenpfleger und andere Sozialberufe, den die Tarifpartner aushandeln müssten.

Erstmals wurde ein regierungsoffizieller Gleichstellungsbericht im Jahr 2011 veröffentlicht. Er soll klären, wo Deutschland bei der im Grundgesetz geforderten Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf Bildung und Erwerbsleben steht.

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