Putin hofft in Ukraine-Krise auf Zuspruch aus Peking

Peking · Russland und China rücken im Ukraine-Konflikt näher zusammen – aber nicht so, wie sich das Kremlchef Putin wünschen würde. Denn Peking spielt eine neu gewonnene Stärke gegen das „Brudervolk“ aus.

Eigentlich sind die Verträge fertig - schon seit Jahren. Russland will China Erdgas liefern, China will dieses Gas beziehen. 2018 soll das Projekt starten. "Große Fortschritte", melden Chinesen wie Russen bei jedem ihrer Treffen. Doch auch gestern fehlten in Schanghai am Ende des Tages die Unterschriften. Es hakt wieder einmal am Preis. Doch der Tanz ums Geld zeigt auch, dass im Verhältnis zwischen Peking und Moskau das Vertrauen fehlt. Gerade jetzt, wo sich Russland wegen seiner Haltung in der Ukraine-Krise mit Europa nicht einig werden kann und es auch gar nicht will, hofft es auf Zuspruch aus Asien. Die Lage in der Ukraine hat die misstrauischen "Brudervölker" zusammenrücken lassen. Nicht, weil China an einem neuen östlichen Bündnis gelegen wäre - dafür sind seine Handelspartner in Europa und den USA gewichtiger -, sondern weil es etliche Vorteile aus Russlands Isolation durch den Westen ziehen kann.

Kremlchef Wladimir Putin ist in einer geschwächten Position nach Schanghai gekommen. War vor 60 Jahren noch Moskau der wichtigste Entwicklungshelfer Chinas, hat sich das Kräfteverhältnis mittlerweile gewandelt. Die Zeiten, da Peking eine Art zweite Geige zu spielen bereit war, sind vorbei. Wissend, dass Peking Moskau nicht zu Hilfe eilen wird, um sich gemeinsam gegen den Westen zu stemmen, übte sich Putin gestern dennoch in Zuversicht. "Wir haben keinerlei Widersprüche, ganz im Gegenteil, wir haben ganz viele gemeinsame Pläne", sagte er. Einige der 43 vorbereiteten Verträge haben Vertreter beider Seiten tatsächlich unterschrieben. Die chinesische Aktiengesellschaft COMAC und die russische Flugzeugbaugesellschaft OAK einigten sich über den Bau eines gemeinsamen Passagierflugzeuges. Die Chinesen beteiligen sich zu 80 Prozent an einer Brücke über den Amur.

Pünktlich zu Putins Besuch begannen auch mehrtägige Seemanöver von chinesischen und russischen Militärschiffen im Ostchinesischen Meer. Damit bekräftigten beide Länder auch ihre militärische Zusammenarbeit. Details zu möglichen Rüstungsverträgen wurden vorerst aber nicht bekannt.

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