Prügelaffäre: In Frankreich bleibt Benalla eine Bedrohung für Präsident Macron

Frankreichs Präsident : Der Ex-Leibwächter bleibt eine Bedrohung für Macron

Alexandre Benalla hat sich erneut mit pikanten Äußerungen zu Wort gemeldet. Die „Prügelaffäre“ ist für den Präsidenten noch nicht ausgestanden.

Es gibt Namen, die in einer Präsidentschaft einen Wendepunkt markieren. Für Emmanuel Macron ist Alexandre Benalla ein solcher Name. Der ehemalige Sicherheitsbeauftragte, der in Polizeiuniform am 1. Mai auf Demonstranten einprügelte, steht für ein System von Parallelstrukturen im Präsidentenpalast. Denn der 27-Jährige agierte neben den offiziellen Leibwächtern des Staatschefs als eine Art privater Bodyguard in privilegierter Stellung. Ein Ermittlungsverfahren und zwei Untersuchungsausschüsse befassten sich mit dem Fehlverhalten des Mannes, der erst nach den Enthüllungen durch die Zeitung „Le Monde“ im Sommer entlassen wurde. Die Affäre, die für Macron zu einem Absturz in den Umfragen führte, ist immer noch nicht ausgestanden. Denn nun meldete sich Benalla in einem Interview mit der Enthüllungsplattform Mediapart zu Wort. Und zwar mit Aussagen, die den Staatschef und sein Team erneut belasten.

Benalla gibt an, weiter im Kontakt zu Macron stehen, mit dem er sich regelmäßig über den unter Präsidentenmitarbeitern üblichen Nachrichtendienst Telegram austausche. Dabei gehe es um Personalien, Sicherheitsfragen und die Krise der „Gelbwesten“. „Es wird sehr hart werden, das zu dementieren, denn der ganze Austausch ist auf meinem Handy“, drohte Benalla. Der Elysée sprach von einem „Bündel von Unwahrheiten“, bestätigte aber, dass der Präsident seinem früheren Leibwächter zweimal auf dessen Nachrichten geantwortet habe.

Noch schwerer als der SMS-Kontakt wiegt allerdings, dass Benalla weiter seine Diplomatenpässe aus Elysée-Zeiten besitzt, mit denen er in mehrere afrikanische Länder gereist sein soll. Anfang Dezember traf er in seiner neuen Funktion als „Berater“ ungenannter Auftraggeber im Tschad mit Präsident Idriss Déby zusammen. Und zwar nur wenige Tage bevor auch Macron in den Tschad reiste. Dort versicherte der Präsident seinem Kollegen, dass Benalla keiner seiner „Gesandten“ sei. Genau diese Aussage schien aber seinen Ex-Bodyguard so wütend gemacht zu haben, dass der nun auspackte. Besonders pikant sind dabei die Details zu seinen beiden Diplomatenpässen: Ein „Angestellter“ des Präsidialamtes soll ihm im Oktober auf der Straße eine Plastiktüte mit den Ausweisen, einem Scheckbuch und Schlüsseln überreicht haben, sagte Benalla. Er solle keine „Dummheiten“ damit machen, lautete die Aufforderung. Das Außenministerium widersprach der Darstellung und schaltete die Pariser Staatsanwaltschaft ein, die Vorermittlungen einleitete.

Für die Opposition ist die Fortsetzung der Benalla-Affäre ein gefundenes Fressen. Die Sozialisten forderten bereits, den Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung wieder einzusetzen. Die Vorsitzende des Rechtsausschusses, Yaël Braun-Pivet, lehnte zwar ab, doch im Senat könnten neue Untersuchungen folgen. In jedem Fall schaden die Äußerungen Benallas dem Präsidenten, der im Wahlkampf für eine moralisch einwandfreie Amtsführung geworben hatte. Mit Benalla begann für Macron ein Absturz in den Umfragen. Die Popularität des Präsidenten liegt inzwischen nur noch bei rund 20 Prozent. Vor allem die „Gelbwesten“ richten ihren Hass offen gegen den Staatschef. „Diese neuen Enthüllungen könnten jenen Parolen der ‚Gelbwesten-Bewegung‘ neuen Schwung geben, der sich gegen die Person des Präsidenten und seinen Verbleib im Amt richtet“, sagte der Meinungsforscher Jérôme Sainte-Marie der Zeitung „Le Figaro“.

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