Protest wird zur Schlacht um die Macht in Ägypten

Kairo/Berlin. Steine, Knüppel, Eisenstangen: Am neunten Tag der Proteste gegen das Regime Mubarak ist die Lage in Ägypten eskaliert. Bei stundenlangen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten im Zentrum von Kairo wurde gestern mindestens ein Mensch getötet, es gab mehr als 500 Verletzte

Kairo/Berlin. Steine, Knüppel, Eisenstangen: Am neunten Tag der Proteste gegen das Regime Mubarak ist die Lage in Ägypten eskaliert. Bei stundenlangen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten im Zentrum von Kairo wurde gestern mindestens ein Mensch getötet, es gab mehr als 500 Verletzte. Schlägertrupps und Knüppel schwingende Reiter auf Kamelen waren am Nachmittag in die erneut friedlich demonstrierende Menge gestürmt. Die Kontrahenten bewarfen sich anschließend aus nächster Nähe mit Steinen. Augenzeugen berichteten auch von Gewalt gegenüber ausländischen Journalisten. Das Militär, das sich zunächst zurückgehalten hatte, setzte Wasserwerfer und Tränengas ein und gab Warnschüsse ab, um das Treiben zu beenden. Seit Beginn der Proteste gegen die Regierung wurden nach UN-Angaben mindestens 300 Menschen getötet und über 3000 verletzt.

Mubarak hatte am Dienstagabend erklärt, er werde bei der Präsidentenwahl im Herbst nicht mehr antreten. Die noch verbleibenden Monate im Amt wolle er für eine "friedliche Machtübergabe" nutzen. Die Opposition fordert dagegen den sofortigen Rücktritt des 82-Jährigen. Die Jugendbewegung 6. April kündigte an, die Proteste bis dahin unvermindert fortzusetzen.

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Sorge auf die Eskalation der Gewalt in Kairo. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe auf Demonstranten als "nicht hinnehmbar". In Ägypten müsse "ohne weitere Verzögerung" ein friedlicher Übergang beginnen, sagte er. US-Präsident Barack Obama forderte von Mubarak, den Weg zum Aufbau einer Demokratie sofort freizumachen. Auch die Bundesregierung rief den ägyptischen Staatschef auf, den demokratischen Wandel nicht zu verschleppen. Es gehe nicht an, dass diese Entwicklung hinausgezögert werde, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Angesichts der Unruhen rät das Auswärtige Amt dringend von Reisen nach Ägypten ab. dpa/afp