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Protest gegen Abschaffung der Cent-Münzen

Protest gegen Abschaffung der Cent-Münzen

Brüssel denkt über die Abschaffung der kleinen Cent-Münzen nach – hierzulande wächst der Protest dagegen. Experten befürchten unter anderem, dass verdeckte Preiserhöhungen auf die Verbraucher zukommen.

Die angepeilte Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen trifft auf Ablehnung in Deutschland: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wandte sich am Wochenende gegen entsprechende Überlegungen auf EU-Ebene. "In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten. Ich persönlich kann mich dem nur anschließen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Gemeinnützige Organisationen wie das Deutsche Kinderhilfswerk fürchten zudem um einen großen Teil ihrer Einnahmen aus Spendendosen. Falls das "Klimpergeld" wegfällt, erwartet das Hilfswerk einen Rückgang des Spendenvolumens "im hohen sechsstelligen Bereich". Bundesweit habe der Verband rund 50 000 Spendendosen in Einzelhandelsgeschäften platziert, sagte der Sprecher des Kinderhilfswerks Uwe Kamp. Etwa ein Viertel der Einnahmen aus der Spendendose bestehe aus Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Ein Fünf-Cent-Stück werde dann nicht so leicht gespendet wie die kleineren Kupfermünzen. Derzeit sammele das Kinderhilfswerk mit den Spendendosen pro Jahr zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Euro ein, erklärte Kamp.

Auch Verbraucherschützer fordern vor einer endgültigen Entscheidung eine genaue Untersuchung der Folgen eines solchen Schritts. "Es bedarf mehr als eines Bauchgefühls, um entscheiden zu können, ob man diese Münzen abschaffen kann und welche Spielregeln dafür gelten müssten", sagte der Finanzexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Frank-Christian Pauli. Gegen eine Abschaffung spreche, dass sie eine verdeckte Preiserhöhung zur Folge haben könnte, weil Preise aufgerundet würden. Andererseits zeigten die Erfahrungen aus anderen Ländern, dass es auch ohne die Kleinstmünzen gehe, so Pauli.

Hintergrund der Brüsseler Pläne, die Abschaffung der kleinen Münzen zu prüfen, sind die Herstellungskosten. Die Produktion der Kupferstücke ist nach Angaben der Kommission wegen der hohen Rohstoffpreise für die Staaten ein Verlustgeschäft.