Politik mit Maß und Ziel

Seit Dezember 2013 ist er Bundesjustizminister im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. SPD-Landeschef Heiko Maas aus dem Schwalbacher Ortsteil Elm wird heute 50 Jahre alt und feiert auf einem SPD-Konvent in Wolfsburg.

Eigentlich wollte der politische Zögling der regionalen SPD-Überväter Oskar Lafontaine (heute bei der Linken zu Hause) und Reinhard Klimmt seinen Geburtstag mit der runden Zahl 50 im silbernen Lorbeer-Kranz als Ministerpräsident des Saarlandes in der Saarbrücker Staatskanzlei feiern. Vor zehn Jahren hat Heiko Josef Maas diese Erwartung selbst hoffnungsvoll geäußert. Wenn das Geburtstagskind heute in den "Club der Fünfzigjährigen" eintritt, hat er ein anderes Amt inne als das damals gewünschte. Er ist seit Dezember 2013 Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz und schon seit der Jahrtausendwende Vorsitzender der Sozialdemokraten im Saarland.

Dem ältesten Sohn eines Berufssoldaten und einer Schneiderin aus der Bachtalstraße im Schwalbacher Ortsteil Elm war eine Berufspolitiker-Karriere von der Pike auf vorgezeichnet: 1992 Vorsitzender der Jungsozialisten , 1994 Mitglied des Landtages, 1999 dort Chef der SPD-Fraktion . Unter Umweltminister Willy Leonhardt wechselte der Jurist Maas 1996 als Staatssekretär auf die Regierungsbank, übernahm 1998 das Ministeramt seines Vorgängers im Kabinett von Reinhard Klimmt (SPD ), der nach Oskar Lafontaines Wechsel ins Bundesfinanzministerium Regierungschef wurde. In der Klimmt-Ära kam dem Aufsteiger zugute, dass er Katholik ist. Denn alle übrigen Kabinettsmitglieder bekannten sich zur evangelischen Konfession. Mehrfach nahm Maas Anläufe auf das Ministerpräsidenten-Amt. Nach der Landtagswahl vom August 2009, bei der die Maas-SPD mit 24,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen des Landes einfuhr, führte der Wahlverlierer Sondierungsgespräche mit Linkspartei und Grünen. Erklärtes Ziel war eine rot-rot-grüne Landesregierung, die damals bei den Sozialdemokraten noch weithin als Tabu galt. Die Grünen unter Hubert Ulrich entschieden sich aber anders und traten in ein Jamaika-Kabinett aus CDU , Grünen und FDP ein. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Peter Müller (CDU ), der nach Karlsruhe in das Bundesverfassungsgericht wechselte, wagte Maas im August 2011 im Landtag eine Kandidatur gegen die designierte CDU-Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer . Im ersten Wahlgang kamen beide überraschend auf 25 von 51 Stimmen, erst im zweiten Anlauf setzte sich die CDU-Kandidatin mit der knappsten Mehrheit von 26 Stimmen gegen den Herausforderer durch. Eineinhalb Jahre später schmiedeten beide die große Koalition im Land, in der Maas Wirtschaftsminister wurde.

Der heutige Bundesminister sorgte auch für Schlagzeilen im bunteren Blätterwald. So wurde er dank seiner Maßanzüge zum "bestangezogenen Mann" oder "schönsten Minister" ausgerufen. SPD-Kreisparteichef Roland Henz würdigte den "frechen und kämpferischen" Saarlouiser sogar als "beliebtesten Politiker Deutschlands in einer der schönsten Städte Europas". Auch seine Trennung von Ehefrau Corinna und seine Beziehung zu Schauspielerin Natalia Wörner (seit 2016) schlugen sich in Boulevard-Stories nieder. Heute wohnt Maas bei seinen Heimatbesuchen aus Berlin wieder im Elmer Elternhaus, nachdem er sein Heim in Saarlouis vermietet hat.

Als persönliche Zielmarken hat er dieser Tage zwei Handlungswegweiser ausgegeben: "Hinfallen und wieder aufstehen." Aber auch: "Innere Überzeugungen haben und stehen bleiben." Er will Kurs halten, auch wenn er derzeit eher in der Schusslinie steht. Das auflagenstärkste deutsche Boulevard-Blatt mit den vier großen Buchstaben hat jetzt quasi als Geburtstagsgeschenk seine "Pannenstatistik" veröffentlicht und ist mit der Schlagzeile erschienen: "Das Maas ist voll."

Im bevorstehenden Bundestagswahlkampf wird sich der Justizminister im gleichen Wahlkreis Saarlouis-Merzig wie ein alter Bekannter aus dem CDU-Lager um das Direktmandat bemühen. Der Berliner Kanzleramtschef Peter Altmaier ist der Gegner - ein reizvolles Duell zweier Kabinettskollegen und Vollblutpolitiker, die nicht nur der unterschiedliche Körperumfang trennt. Zu seinem politischen Ziehvater Oskar Lafontaine ist Heiko Maas schon lange auf Distanz gegangen, nachdem dieser die SPD verlassen hatte und bei der Linkspartei an vorderster Front mitmischte.