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Polen und die Welt trauern nach Absturz von Präsidenten-Jet

Polen und die Welt trauern nach Absturz von Präsidenten-Jet

Warschau/Moskau/Berlin. Polen unter Schock: Im ganzen Land gedachten gestern Zehntausende des getöteten Präsidenten Lech Kaczynski und der anderen 95 Opfer des Flugzeugunglücks im russischen Smolensk. Auch im Ausland löste der Tod des konservativen Präsidenten Bestürzung aus. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer "politischen und menschlichen Tragödie" für das Nachbarland

Warschau/Moskau/Berlin. Polen unter Schock: Im ganzen Land gedachten gestern Zehntausende des getöteten Präsidenten Lech Kaczynski und der anderen 95 Opfer des Flugzeugunglücks im russischen Smolensk. Auch im Ausland löste der Tod des konservativen Präsidenten Bestürzung aus. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer "politischen und menschlichen Tragödie" für das Nachbarland. US-Präsident Barack Obama sagte, Kaczynskis Tod sei "verheerend für Polen und die Welt". Am Absturzort vollzogen Russland und Polen demonstrativ den Schulterschluss: Die Regierungschefs Donald Tusk und Wladimir Putin legten nur wenige Kilometer entfernt von Katyn, wo auf Befehl Stalins einst Tausende polnische Offiziere getötet worden waren, gemeinsam Blumen nieder. In Polen gilt eine einwöchige Staatstrauer. Bereits gestern gab es zwei Gedenkminuten für die Absturz-Opfer, zu denen zahlreiche Parlamentsabgeordnete sowie hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft zählen. Die Prachtallee vor dem Warschauer Präsidentenpalast wurde zum Ort nationaler Besinnung: Tausende Menschen sammelten sich dort zu Gebeten und stellten Kerzen auf. Regierungschef Tusk würdigte seinen früheren Widersacher Kaczynski, der politisch hoch umstritten war, vor dem Parlament mit einem Kniefall. Der Leichnam des Präsidenten traf am Nachmittag in Warschau ein. Soldaten trugen den Sarg aus dem Flugzeug an den Trauernden vorbei, zu denen auch Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw gehörte. In der Kapelle des Präsidentensitzes wurde der Leichnam aufgebahrt.Die russische Staatsanwaltschaft schloss derweil eine technische Ursache für den Absturz aus. Das Flugzeug sei in einwandfreiem Zustand gewesen, sagte Chefermittler Alexander Bastrykin. Der Pilot habe jedoch mehrere Landeversuche unternommen, obwohl er mehrfach auf die schlechte Wetterlage und den Nebel hingewiesen worden sei. Der Präsident und seine Delegation waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn, als die Maschine in dichtem Nebel abstürzte. Kaczynskis Nachfolger soll spätestens bis zum 20. Juni gewählt werden. und Interview, Seite A 4: Meinung dpa/afp

HintergrundAls Zeichen der Anteilnahme mit Polen hat Innenminister Thomas de Maizière Trauerbeflaggung für den Tag der offiziellen Trauerfeier angeordnet. Die Flaggen an allen Bundesbehörden werden dann als Ausdruck "des tiefen Mitgefühls und der besonderen Solidarität mit dem polnischen Volk" auf Halbmast gesetzt. Über den Beisetzungstermin will die Warschauer Regierung heute beraten. dpa