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PKK ruft Kurden zum Kampf gegen Terroristen auf

PKK ruft Kurden zum Kampf gegen Terroristen auf

Das Flüchtlingsdrama an der türkisch-syrischen Grenze nimmt immer extremere Dimensionen an. Die PKK hat deshalb alle türkischen Kurden zum bewaffneten Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien aufgerufen.

Der Gefechtslärm ist auf der türkischen Seite der Grenze zu hören: Mit Panzern und Artillerie rückt die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Norden Syriens weiter gegen Siedlungsgebiete der Kurden vor - und treibt eine immer größer werden Flüchtlingswelle vor sich her. Mehr als 130 000 Menschen flohen zwischen Freitag und Montag in die benachbarte Türkei, wie der türkische Vizepremier Numan Kurtulmus mitteilte. Die Grenze wurde geschlossen. An der Grenze selbst bemühten sich die türkischen Behörden, dem Ansturm Herr zu werden. Die Schließung sei aber nur vorübergehend, hieß es: Grundsätzlich bleibe die Regierung bei ihrer "Politik der offenen Tür", wonach jeder Flüchtling aus Syrien ohne Ansehen seiner ethnischen oder religiösen Identität aufgenommen werde.

Gleichzeitig drängen einige syrische und türkische Kurden in die entgegengesetzte Richtung: Sie wollen nach Syrien hinein, um sich dort dem Kampf gegen den IS anzuschließen. Die türkisch-kurdische Rebellengruppe PKK rief alle Kurden zur Mobilmachung gegen die Dschihadisten im Norden Syriens auf. Dort hat der PKK-Ableger PYD in den vergangenen Jahren eine kurdische Autonomie aufgebaut, die jetzt durch die Offensive des IS gefährdet wird.

Doch die große Zahl der Flüchtlinge ist nicht das einzige Problem für Ankara : Die türkische Regierung sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt, sie kooperiere heimlich mit dem IS, weil Ankara keine kurdische Autonomie wolle. Demonstranten in Istanbul und der kurdischen Großstadt Diyarbakir im Südosten der Türkei beklagten eine Zusammenarbeit zwischen der türkischen Regierungspartei AKP und den Extremisten: "Mörder IS, Kollaborateur AKP", stand auf einem Transparent. Zwar weist die türkische Regierung die Vorwürfe zurück. Präsident Recep Tayyip Erdogan und regierungsnahe Medien fachten den Verdacht einer Zusammenarbeit mit dem IS aber selbst an. Ohne Einzelheiten zu nennen, deutete Erdogan an, ein Tauschhandel mit dem IS habe zur Freilassung der 50 türkischen IS-Geiseln am Wochenende geführt. Die Erdogan-treue Zeitung "Yeni Safak" meldete, der Handel habe einige für den IS wichtige Personen umfasst.

Laut Medienberichten könnte sich Ankara bereit erklärt haben, ausländische IS-Kämpfer aus türkischen Gefängnissen nach Syrien zurück zu schicken, um die Freilassung der Geiseln zu erreichen. Darunter könnten sich auch ein Schweizer und ein Deutscher befinden: Sie waren im Frühjahr im zentralanatolischen Nigde festgenommen worden, nachdem sie auf der Rückweg vom IS-Kampfeinsatz in Syrien nach Europa an einer Straßensperre drei Türken erschossen. Gestern lag keine offizielle Stellungnahme darüber vor, ob die ausländischen IS-Mitglieder nach wie vor in türkischer Haft sind oder nicht.

Türkische Oppositionspolitiker werfen der Regierung zudem vor, den IS zu unterstützen, indem sie verwundete Dschihadisten gratis in staatlichen türkischen Krankenhäusern behandeln lasse. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete gestern, ein schwer verletzter IS-Kämpfer werde unter Polizeibewachung in einem Krankenhaus der Großstadt Sanliurfa behandelt.

Erdogan will am Rande der UN-Vollversammlung in New York mit US-Präsident Barack Obama über das Thema Syrien sprechen. Der türkische Staatschef werde es schwer haben, seinen Gesprächspartnern die Haltung Ankaras zu erläutern, kommentierte die Kolumnistin Asli Aydintasbas in der Zeitung "Milliyet". Die Türkei sehe den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad als Hauptproblem, doch beim Westen sei das anderes. "Die Welt sorgt sich nicht mehr um Assad, sondern um den IS."