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Partystadt Berlin sehnt sich nach Manieren

Partystadt Berlin sehnt sich nach Manieren

Die Hauptstadt ist genervt von rücksichtslosen Touristen. Politiker fordern deshalb Benimmregeln. Ein Dilemma bahnt sich an, denn am Partytourismus der Metropole verdienen mehr als 275 000 Berliner mit.

"Berlin liebt dich nicht" oder "No more Rollkoffer": Wenn es um Partytouristen geht, gibt sich der sonst so liberale Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg schon länger unentspannt. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) setzt nun noch eins drauf. Im "Tagesspiegel" fordert sie einen Verhaltenskodex für Hauptstadt-Besucher - weniger Müll und Lärm und dafür mehr Respekt gegenüber Berlinern. Die Vorschläge sorgen für Gesprächsstoff: Was ist passiert, wenn sich das ruppige Berlin plötzlich nach Manieren sehnt?

In Friedrichshain-Kreuzberg wird auf beiden Seiten der Spree seit dem Mauerfall immer exzessiver gefeiert. Zuerst waren die Berliner unter sich, dann kamen die Touristen der Generation Easy Jet dazu. Die Partyzonen dehnten sich von wenigen Straßen auf mehrere Quadratkilometer immer weiter aus. Allein im ersten Halbjahr 2014 reisten schon 5,5 Millionen Menschen nach Berlin . Mit Tourismus und Kongressen macht die Stadt zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr, mehr als 250 000 Berliner verdienen mit.

Björn Lisker freut es, dass die Stadt da angekommen ist, wo Amsterdam und London schon lange sind. Der Sprecher der Berliner Tourismus-Werber "VisitBerlin" hält auch vom Verhaltenskodex für Touristen nichts. "Verbotsschilder sind nicht das richtige Mittel", sagt er. Und ein Berlin-Knigge in 14 Sprachen sei bei jungen Leuten sicher auch nicht der Bringer. Nicht nachts rumschreien, nicht in die Parks pinkeln, nicht in den Hausflur reihern - wie ernst würde das genommen?

Berlin will die Sache spielerisch angehen. Hinter den Kulissen gibt es die Idee, Pantomime-Künstler auf die Partymeilen zu schicken, die ihren Kopf mit geschlossenen Augen auf die Hände senken. Eine Erinnerung daran, dass hier Menschen schlafen wollen. Monika Herrmann denkt an Rollkoffer mit leisen Gummirädern. Klingt noch nicht nach dem großen Wurf. Andere Länder gehen längst rabiater vor. Auf Mallorca gelten für Touristen feste Benimmregeln: Saufgelage am Strand - tabu. Wer in Barcelona mit Badeklamotten durch die Altstadt läuft, wird zur Kasse gebeten. Nackter Oberkörper? Macht 120 Euro.