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Papst fordert von der Politik mehr moralische Verantwortung

Papst fordert von der Politik mehr moralische Verantwortung

Berlin. Zum Auftakt seines viertägigen Deutschland-Besuchs hat Papst Benedikt XVI. die Politik eindringlich ermahnt, mehr moralische Verantwortung für die Schöpfung, den Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu übernehmen. "Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden schaffen", sagte Benedikt XVI

Berlin. Zum Auftakt seines viertägigen Deutschland-Besuchs hat Papst Benedikt XVI. die Politik eindringlich ermahnt, mehr moralische Verantwortung für die Schöpfung, den Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu übernehmen. "Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden schaffen", sagte Benedikt XVI. gestern bei der ersten Rede eines Papstes im Deutschen Bundestag. Maßstab politischer Arbeit dürfe nicht "der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein". Mit Blick auf die Zeit der Nazi-Diktatur sagte er: "Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers."In seiner über weite Strecken theologisch-philosophischen Rede sagte der Papst, der zunehmende Glaube an die technische Machbarkeit bedrohe die Kultur Europas. Dabei wandte sich der 84-Jährige dagegen, Natur und Schöpfung nur noch nach funktionalen Gesichtspunkten zu bewerten. Besonders lobte er in diesem Zusammenhang das Aufkommen der Öko-Bewegung in den 1970er Jahren, die "ein Schrei nach frischer Luft gewesen" sei. Jungen Menschen sei damals bewusst geworden, dass etwas im Umgang mit der Natur nicht mehr stimme, dass "Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen". Nach seiner rund 22-minütigen Rede, der dutzende Abgeordnete der Linken sowie einzelne Parlamentarier von SPD und Grünen bewusst ferngeblieben waren, bekam er minutenlang Applaus.

Der Papst war am Vormittag in Berlin gelandet. In seiner Begrüßung vor dem Schloss Bellevue mahnte Bundespräsident Christian Wulff (CDU) konkrete Verbesserungen im Miteinander von Katholiken und Protestanten an. Mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Benedikt später über Europa und die Krise auf den internationalen Finanzmärkten.

Im Berliner Olympiastadion kamen am Abend mehr als 60 000 Gläubige zu einer Messe mit dem Pontifex zusammen. Am Nachmittag hatte der Papst auch Vertreter der jüdischen Gemeinde getroffen. Tausende Menschen protestierten derweil in Berlin gegen den Besuch, der den Papst bis Sonntag noch nach Erfurt, in das Eichsfeld und nach Freiburg führt. , Seite A 4: Analysedpa