Obamas Leibgarde ist nicht auf dem Posten

Obamas Leibgarde ist nicht auf dem Posten

Das Budget des Secret Service frisst Milliarden, doch von einer souveränen Leistung ist die Leibgarde des US-Präsidenten weit entfernt. Nach einem neuen Zwischenfall ist die Chefin des Secret Service jetzt zurückgetreten.

Sie verstehen sich als die Besten der Besten, die muskelbepackten Herren mit dem Knopf im Ohr, die den amerikanischen Präsidenten in seiner Machtblase bewachen. Ständig hellwach, ausgestattet mit feinen Antennen, eben echte Profis, von Hollywood bisweilen zu Supermännern verklärt. Im Alltag, der oft sehr langweilig sein kann, häufen sich dagegen die Pannen - selten so sehr wie jetzt.

Nun auch noch das: Als Barack Obama Mitte September die Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta besuchte, um mit den Ärzten dort über den Kampf gegen Ebola zu beraten, fand er sich im Fahrstuhl neben einem Mann wieder, den weder er noch seine Leibwächter kannten. Ihre Nachlässigkeit begriff die Entourage erst, als der Fremde sein Smartphone zückte und munter zu fotografieren begann. Beschäftigt bei einer privaten Sicherheitsfirma, trug er eine Waffe. Aber auch das hatten die Beamten zunächst nicht bemerkt. Später stellte sich heraus, dass er dreifach vorbestraft war, unter anderem wegen Körperverletzung. Und: Statt dem Staatschef sofort reinen Wein einzuschenken, schien der Secret Service den Zwischenfall unter die Decke kehren zu wollen. Jedenfalls sehen sie es so im Kongress, wo alarmierte Abgeordnete genauer unter die Lupe nehmen, was sich die Bodyguards in letzter Zeit alles geleistet haben an blamablen Fehlleistungen. "Dies wäre heute ein anderes Land, hätte der Bursche im Aufzug seine Pistole gezogen", poltert Jason Chaffetz, ein Republikaner aus Utah, dessen Ausschuss den Elitetrupp parlamentarisch kontrolliert. Julia Pierson, die erste Frau an der Spitze des Secret Service wird zur Zielscheibe beißenden Spotts. Warum sie nicht einfach Bewegungsmelder im Weißen Haus installieren lasse, fragt Chaffetz‘ Kollege John Mica. Das käme billiger als die Leibgarde, und effektiver wäre es auch.

Letzteres hat mit Omar Gonzalez zu tun, einem Irak-Veteranen, der mit einem Klappmesser in der Hosentasche über den Zaun der Residenz sprang, quer über den Rasen lief und sich durch den Haupteingang Zugang verschaffte. Erst im East Room, weit im Inneren, wurde er überwältigt. Das Alarmsystem war auf Lautlos gestellt worden, nachdem sich Bedienstete über das Piepsen beschwert hatten. Nun steht seit ein paar Tagen ein zweiter Zaun an der Pennsylvania Avenue 1600, genauer gesagt, eine Kette niedriger Zäune. Noch eine Barriere, noch mehr Distanz zum "Haus des Volkes", zu dem man die Machtzentrale gerne verklärt. Das alles, monieren die Kritiker, wäre überflüssig, würden die Herren mit dem Knopf im Ohr nicht so oft schludern. Als Konsequenz aus der Pannenserie erklärte die Chefin des zuständigen Secret Service, Julia Pierson, am Mittwoch ihren Rücktritt.

Der Dienst und seine Peinlichkeiten scheint eine Endlosgeschichte zu werden. 2009, beim ersten Fauxpas, schafften es zwei Hochstapler, sich bei einem Galadiner zu Ehren des indischen Premierministers einzuschleichen. Tareq und Michaele Salahi taten einfach wichtig, was ausreichte, um sämtliche Kontrollen zu überlisten. 2011 feuerte ein geistig Verwirrter sieben Mal auf die Privatgemächer im zweiten Stock, wo Sasha, die jüngere der beiden Töchter, gerade aus der Schule zurückgekehrt war.