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Obama verleiht Klimakonferenz neuen Schwung

Obama verleiht Klimakonferenz neuen Schwung

Ein Hauch von Barack Obamas "Yes we can" zur Eröffnung: Begleitet von Massendemonstrationen für ein weitreichendes Klimaabkommen, dramatischen Politikerappellen, aber auch optimistischen Nachrichten in letzter Minute startet heute in Kopenhagen der zwölftägige Weltklimagipfel

Ein Hauch von Barack Obamas "Yes we can" zur Eröffnung: Begleitet von Massendemonstrationen für ein weitreichendes Klimaabkommen, dramatischen Politikerappellen, aber auch optimistischen Nachrichten in letzter Minute startet heute in Kopenhagen der zwölftägige Weltklimagipfel. Vor allem die überraschende Nachricht von der Teilnahme des US-Präsidenten an der alles entscheidenden Schlussphase am 18. Dezember verbreitete neue Hoffnung, dass sich die Vertreter von 192 Staaten am Ende auf schnelle und konsequente Schritte gegen den drohenden Klimakollaps einigen.

Nach Monaten mit immer skeptischeren Tönen und schnell sinkenden Erwartungen im Gefolge der Finanzkrise brachte das vergangene Wochenende noch einmal Bewegung: In Städten wie London, Brüssel, Stockholm und Berlin demonstrierten Zehntausende. Bundesumweltminister Norbert Röttgen machte in dramatischen Worten klar, wie dringend eine Einigung sei: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, wäre ein Leben auf unserem Planeten, wie wir es bisher kennen, nicht mehr möglich."

Auf handfeste Weise vermittelte die Regierung des kleinen und armen Nepal dieselbe Botschaft: 22 Minister hielten eine Kabinettssitzung in 5300 Meter Höhe im Schatten des Mount Everest ab, um auf das dramatisch schnelle Abschmelzen der Himalaya-Gletscher hinzuweisen.

Aber für die alles überragenden Meldung sorgte US-Präsident Barack Obama durch seine Ankündigung, die entscheidenden Weichen mitzustellen. Auch wenn die USA weiter nur mit höchst bescheidenen Verpflichtungen zur Verminderung ihrer gigantischen CO2-Emissionen antreten und Obama kein Mandat für weitergehende Schritte hat: Amtskollegen und Klimaaktivisten überboten sich mit überschwänglichem Lob.

Derzeit sei man mit Washington in "nicht nur täglichem, sondern stündlichem Kontakt", frohlockten dänische Regierungsbeamte als Gastgeber der Konferenz. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verkündete in Paris, er sei "begeistert" von den geänderten Reiseplänen Obamas, der zunächst nur eine Rede in der Auftaktphase in Kopenhagen halten wollte. Der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen freute sich über eine "beispiellose Entschlossenheit zum Bremsen der globalen Klimaerwärmung" bei Obama und den anderen 102 angemeldeten Staats-und Regierungschefs.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht durch Obamas Anwesenheit am entscheidenden letzten Verhandlungstag "alle Voraussetzungen für ein historisches Weltklimaabkommen" erfüllt. Und lobte auch den Erfolg des "persönlichen Engagements" von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Obama gedrängt hatte, persönlich Verantwortung zu übernehmen.

"Jetzt wird Präsident Obama am richtigen Platz zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten sein", freut sich die britische Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam. Als klimapolitische Beerdigung erster Klasse galt bis zum Wochenende Obamas Plan, auf der Durchreise zum Empfang des Friedensnobelpreises in Oslo nur mal eben in Kopenhagen zwischenzulanden.

Kurz vor der Eröffnung des Klimagipfels im Kopenhagener "Bella Center" aber dämmerte wohl auch dem Stab des Präsidenten, dass dies ganz und gar nicht zu dem von Obama immer wieder verkündeten neuen Willen der USA zu weltweiter Partnerschaft passen würde. Ob der Schwenk in letzter Minute tatsächlich substanzielle Verbesserungen für das angestrebte Klimaabkommen mit sich bringen wird, weiß niemand. Als ausgemacht gilt aber, dass Obama sich einer gemeinsamen Linie für ein präsentables Resultat nach der Schlussphase vergewissert hat.