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Noch keine Entscheidung über Gespräche mit Taliban

Noch keine Entscheidung über Gespräche mit Taliban

Berlin. Über Gespräche mit gemäßigten Taliban will die Bundesregierung nicht vor der Londoner Afghanistan-Konferenz entscheiden. Es werde keinen nationalen Alleingang geben, versicherte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gestern in Berlin

Berlin. Über Gespräche mit gemäßigten Taliban will die Bundesregierung nicht vor der Londoner Afghanistan-Konferenz entscheiden. Es werde keinen nationalen Alleingang geben, versicherte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gestern in Berlin. Das Thema stehe aber Ende Januar in London mit Sicherheit auf der Tagesordnung, nachdem die neue afghanische Regierung die "Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer" zur Priorität erklärt habe. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Gespräche mit gemäßigten Taliban am Wochenende erstmals als sinnvoll bezeichnet. Erwartungen, dass sich jetzt unmittelbar solche Gespräche anschließen würden, nannte ein Ministeriumssprecher gestern aber "unrealistisch". Zunächst müsse darüber nachgedacht werden, "unter welchen Rahmenbedingungen solche Gespräche geführt werden könnten". Wilhelm ergänzte, klare Bedingung sei die Achtung der afghanischen Verfassung seitens der Gesprächspartner sowie deren grundsätzliche Bereitschaft zum Gewaltverzicht. Derweil hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai die radikal-islamischen Aufständischen erneut zu Friedensverhandlungen aufgefordert. "Wenn die Taliban unsere Aufrufe zum Frieden Millionen Mal ablehnen, werden wir sie Millionen Mal öfter wiederholen", sagte Karsai bei einem Besuch von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Kabul. "Wenn die Taliban wollen, dass die ausländischen Truppen Afghanistan früher verlassen, dann sollten sie kommen, verhandeln und Frieden bringen." Die Taliban haben alle früheren Verhandlungsangebote abgelehnt und machen einen Abzug der ausländischen Truppen zur Vorbedingung für Gespräche.Ob die Bundesregierung zusätzliche Soldaten an den Hindukusch schicken wird, ist derzeit noch offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Guttenberg hätten bei einem ersten vertraulichen Sondierungsgespräch keine Einigung erzielt, meldete die "Rheinische Post".Westerwelle skeptisch Guttenberg habe eine Verstärkung des deutschen Kontingents in vierstelliger Zahl angeboten, sei damit aber bei Westerwelle auf große Skepsis gestoßen. Der FDP-Vorsitzende habe darauf verwiesen, dass es nicht nur in der FDP-, sondern auch in der Unions-Fraktion starke Widerstände gegen eine neuerliche Truppenverstärkung gebe. Schon zuvor hatte sich Westerwelle zurückhaltend gezeigt und darauf verwiesen, dass die Obergrenze für das deutsche Kontingent gerade erst angehoben worden sei. Derzeit sind in Afghanistan etwa 4500 Einsatzkräfte der Bundeswehr stationiert. Früheren Medienberichten zufolge stellt sich die Bundesregierung darauf ein, bis zu 2500 zusätzliche Soldaten bereitzustellen. dpa

Am RandeÜber Gespräche mit gemäßigten Taliban will die Bundesregierung nicht vor der Londoner Afghanistan-Konferenz entscheiden. Es werde keinen nationalen Alleingang geben, versicherte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gestern in Berlin. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Gespräche mit gemäßigten Taliban am Wochenende erstmals als sinnvoll bezeichnet. dpa