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Niedrige Preise machen den Bauern Sorge

Landwirtschaft : Niedrige Preise machen den Bauern Sorge

Die Saar-Bauern blicken auf ein durchwachsenes Erntejahr zurück. Sorge bereiten die niedrigen Preise für viele Produkte – wie zum Beispiel Getreide.

Der Kronkorken auf einer Flasche Bier kostet mehr als die Gerste, die für die Herstellung des Getränks benötigt wird. Mit diesem und weiteren anschaulichen Beispielen hat Peter Hoffmann, seit diesem Jahr Präsident des Bauernverbandes Saar, eins der Probleme der Landwirtschaft geschildert: die Preise für die Produkte. „Es gibt immer mehr Forderungen an die Produzenten“, sagte er beim Agrar-Empfang in Saarbrücken. Diese seien teilweise nachvollziehbar, aber, betonte er: „Man muss für Qualität auch entsprechend bezahlen.“ Viele Verbraucher legten heutzutage Wert auf gesündere Produkte, hohe Standards in der Tierhaltung und eine gute Bezahlung für Landwirte, unterstützte Umweltminister Reinhold Jost (SPD) die Worte Hoffmanns. Dies müsse sich dann aber im Kaufverhalten und im Preis niederschlagen.

Als „erfreulich“ in diesem Zusammenhang bezeichnete Hoffmann die Erhöhung der Milchpreise. Da diese jedoch weiterhin nicht zu einer Kostendeckung führten, solle alles darangesetzt werden, einen weiteren Preisanstieg zu erreichen. Im Bereich des Fleisches sei das Preisniveau in etwa gleichgeblieben, für Schweine- wie für Rinderhalter sei die Situation schwierig. „Man hält sich gerade so über Wasser“, befand Hans Lauer, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes.

Im Falle von Getreide sei der Preis im Vergleich zum Vorjahr um circa zehn Prozent gefallen, erläuterte Lauer weiter. Im Vorjahr kosteten beispielsweise 100 Kilogramm Weizen noch 17 Euro, in diesem Jahr liege der Preis bei 15 Euro. Zur Getreideernte sagte Hoffmann, dass diese besser gewesen sei als 2016, aber „2016 war auch ein wirklich miserables Jahr“. Die Zahlen lägen dennoch unter dem Durchschnitt.

Nicht nur beim Getreide waren die Erntemengen, insbesondere aufgrund des wechselhaften Wetters im Landwirtschaftsjahr, vergleichsweise gering. Die nach Hoffmanns Worten teilweise heftigen und zudem sehr späten Nachtfröste sorgten für Ausfälle beim Obstanbau. Wein und Erdbeeren seien ebenfalls betroffen gewesen. Bei der ersten Grasernte seien teilweise nur 30 Prozent der üblichen Menge erreicht worden. Zumindest beim Mais beschrieb Hoffmann das Ergebnis als „recht erfreulich“. Die Pflanzen hätten die Trockenheit im Mai und Juni gut überstanden, der einzige Wermutstropfen seien Schäden durch Wildschweine und in einigen Gebieten durch den Maiszünsler. Dieses Insekt fresse sich von oben nach unten durch die Maispflanze und schwäche diese so, erläuterte er die Auswirkungen.

So unkalkulierbar wie das Wetter sei teilweise auch die Politik, meinte Hoffmann. „Wir können das Auf und Ab der Agrarmärkte als Politik nicht regeln“, erläuterte Jost, „aber wir können und wollen helfen.“ Ein Ziel sei es, die für die ökologische Landwirtschaft genutzte Fläche zu erweitern. Bis zum Jahr 2022 soll der prozentuale Anteil von knapp 17 Prozent auf 25 Prozent gesteigert werden. Hierbei gelte das Motto, sagte Jost: „Qualität geht eindeutig vor Quantität.“