Nichts geht mehr im Élysée

Öffentliches Ende einer privaten Affäre: Frankreichs Präsident François Hollande bestätigt nach wochenlangen Gerüchten die Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin Valérie Trierweiler.

"La fin de l'histoire" (Das Ende der Geschichte) titelte die Zeitung "Le Parisien", das Sonntagsblatt "Le Journal du Dimanche" begnügte sich gar mit vier Buchstaben: "Fini" - vorbei. Ähnlich lapidar hatte der französische Präsident zuvor selbst die Nachricht vom offiziellen Ende seiner einstigen großen Liebe bekannt gegeben: "Ich teile mit, dass ich das gemeinsame Leben mit Valérie Trierweiler beendet habe", diktierte François Hollande der Nachrichtenagentur AFP per Telefon in den Block. Auf eine offizielle Pressemitteilung des Élysée-Palasts verzichtete der 59-Jährige, schließlich äußere er sich "als Privatmann", sagte er, nicht als Präsident.

Gut zwei Wochen nach Bekanntwerden seiner Affäre mit einer Schauspielerin hat Hollande für klare Verhältnisse gesorgt. Das Klatschmagazin "Closer" hatte die Liebelei am 10. Januar in einer großen Fotoreportage aufgedeckt und berichtet, dass sich der Präsident nachts mit dem Motorroller zu den geheimen Treffen mit der attraktiven Julie Gayet (41) in eine Wohnung nahe des Präsidentenpalasts fahren lasse. Das Gesicht stets sorgsam hinter einem Helm versteckt. Seitdem hatte die Gerüchteküche kein Ende mehr genommen - in Frankreich und über die Grenzen hinweg. Zumal Trierweiler kurz nach Erscheinen der "Closer"-Ausgabe einen Zusammenbruch erlitt und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Hollande selbst hatte die Affäre nie ausdrücklich dementiert, sondern nur Eingriffe in seine Privatsphäre beklagt und "Probleme" in seiner Beziehung mit Trierweiler eingeräumt, die er einst als "Frau seines Lebens" bezeichnet hatte und mit der er neun Jahre zusammen war.

Über die Umstände ihrer Trennung hätten Hollande und Trierweiler die ganze Woche über diskutiert, berichtete "Le Parisien". Die Gespräche seien ohne Tumulte verlaufen, allerdings habe Trierweiler die Bekanntgabe der Trennung nicht mitunterzeichnen wollen - "sie wollte, dass Hollande seine Entscheidung selbst trägt", zitiert das Blatt eine Freundin.

Obwohl Hollande und Trierweiler nicht verheiratet sind, hatte letztere seit dem Amtsantritt des Sozialisten im Mai 2012 de facto den Status der "Premiere Dame" in Frankreich eingenommen - mit allen Privilegien, aber auch Pflichten. So verzichtete die Journalistin auf einen Teil ihrer beruflichen Tätigkeiten, etwa die Moderation einer TV-Sendung sowie die politische Berichterstattung beim Magazin "Paris Match". Dort behielt sie lediglich eine literarische Kolumne. Als Tochter aus bescheidenem Hause und Mutter dreier Kinder aus einer früheren Beziehung sorgt sich Trierweiler dem Vernehmen nach um ihre materielle Situation. Mit dem Ende ihres offiziellen Statuts erleide sie klar einen Schaden, zudem ihr Image im In- und Ausland angegriffen sei, schätzt der Jurist Bernard Fau.

Französischen Medien zufolge haben sich Hollande und Trierweiler auf eine finanzielle Entschädigung geeinigt. "Die Frauen kommen mir teuer zu stehen", soll Hollande gegenüber Vertrauten gesagt haben. So unterstützt der Sozialist bereits Ségolène Royal, die Mutter seiner vier Kinder, deren Beziehung nach jahrzehntelanger Partnerschaft offiziell 2007 zu Ende gegangen war. Hollande hatte die attraktive Royal eben wegen der nicht minder attraktiven Trierweiler verlassen. Damals war es Royal, die den Bruch der Liaison publik gemacht hatte. In einer Pressemitteilung erklärte sie, sie habe Hollande vor die Tür gesetzt.

Sieben Jahre später packt nun Trierweiler ihre Sachen und zieht in die Wohnung zurück, wo sie einst den verstoßenen Hollande aufgenommen hatte. In einer Twitter-Nachricht verabschiedete sie sich vom "fabelhaften" Personal des Élysée-Palastes. Dort dürfte der Präsident - trotz seiner Liebschaft mit Gayet - vorerst alleine und als Single leben. Eine Premiere in der jüngeren Geschichte Frankreichs.

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Am RandeValérie Trierweiler galt als "Premiere Dame" in Frankreich, wo Altpräsidenten und deren Familien auf Lebenszeit kostenlos an Bord der Air France durch die Welt jetten dürfen. Das gleiche gilt für Fahrten mit der Staatsbahn. Weiteres Privileg für frühere Staatspräsidenten und deren Familien ist eine Dienstwohnung mitsamt Büro und Personal. Was Trierweiler davon nach der Trennung bleibt, darüber wird spekuliert. Fakt ist: Sie kam den Staat als "Premiere Dame" günstiger als ihre Vorgängerin Carla Bruni. Demnach standen fünf Mitarbeiter in Diensten Trierweilers. Insgesamt belief sich deren monatliche Entlohnung auf 19 742 Euro netto. Bruni, die Ehefrau von Ex-Präsident Sarkozy, hatte hingegen acht Mitarbeiter - für monatlich 36 448 Euro. afp/dpa

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