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Neuer Streit um Rolle des Islam in Deutschland

Neuer Streit um Rolle des Islam in Deutschland

Berlin. Unionsfraktionschef Volker Kauder hat mit Äußerungen zum Islam eine heftige Debatte entfacht. Der CDU-Politiker sagte: "Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland." Kauder äußerte sich kurz vor der gestrigen Sitzung der Deutschen Islamkonferenz

Berlin. Unionsfraktionschef Volker Kauder hat mit Äußerungen zum Islam eine heftige Debatte entfacht. Der CDU-Politiker sagte: "Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland." Kauder äußerte sich kurz vor der gestrigen Sitzung der Deutschen Islamkonferenz. Der CDU-Politiker widersprach mit seiner Äußerung in der "Passauer Neuen Presse" dem früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der den Islam in einer viel beachteten Rede 2010 als Teil Deutschlands bezeichnet hatte. Kauder betonte gleichwohl: "Muslime gehören aber sehr wohl zu Deutschland. Sie genießen selbstverständlich als Staatsbürger die vollen Rechte, ganz klar."Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, nannte Kauders Aussagen "Schwachsinn". Der Islamrats-Vorsitzende Ali Kizilkaya nannte sie "sehr bedauerlich". "Wer den Islam nicht als Teil Deutschlands sieht, der grenzt ihn aus", sagte er. Die Haltung von Kauder sei "keine Einladung zur Integration".

Widerspruch kam auch von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). "Wir sind in dieser Frage mittlerweile schon viel weiter", sagte sie der "Rhein-Zeitung". "Wenn wir noch in 20 Jahren darüber reden, ob der Islam zu Deutschland gehört, dann hat das doch mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun", sagte Böhmer. In Deutschland lebten vier Millionen Muslime.

Auch Hessens Ministerpräsident, der CDU-Bundesvize Volker Bouffier, sieht den Islam als einen Teil Deutschlands an. Natürlich sei er "kein Teil unserer Geschichte und Tradition". Im Unterschied zu Kauder fügte Bouffier jedoch hinzu: "Aber er gehört zu uns und unserer Zukunft." SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann bezeichnete Kauder als "letzten Kreuzritter der Union". Der CDU-Politiker sorge damit für eine "Abwertung und Ausgrenzung aller Muslime in Deutschland" und lege überdies einen Sprengsatz in die Islamkonferenz. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte gestern auf dieser Konferenz, diese wolle sich nicht mit tagesaktuellen Themen befassen, sondern auf das Wesentliche konzentrieren. , Seite A 5: Bericht dapd

Foto: dpa