Neuer Glanz bei den Dax-Konzernen

Neuer Glanz bei den Dax-Konzernen

Berlin. Die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft strotzen vor Kraft: Sie steigerten ihren Gewinn von Juli bis September um rund 57 Prozent. Zusammen verdienten sie 11,8 Milliarden Euro, wie aus einer Berechnung der Deutschen Presseagentur hervorgeht, beruhend auf Quartalsbilanzen von 28 der 30 Dax-Konzerne

Berlin. Die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft strotzen vor Kraft: Sie steigerten ihren Gewinn von Juli bis September um rund 57 Prozent. Zusammen verdienten sie 11,8 Milliarden Euro, wie aus einer Berechnung der Deutschen Presseagentur hervorgeht, beruhend auf Quartalsbilanzen von 28 der 30 Dax-Konzerne. Seit Beginn des Jahres 2010 verbuchten die Top-Konzerne sogar einen Gewinnanstieg um 73 Prozent, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ermittelte. Das Plus beim Gesamtgewinn der Top-Unternehmen liegt sogar bei 113 Prozent, wenn man die Deutsche Bank mit ihrem Milliardenverlust herausrechnet. Dieser war von Abschreibungen auf die Postbank-Beteiligung verursacht worden. Ohne die Deutsche Bank haben die Konzerne ihren Gesamtgewinn also mehr als verdoppelt.

Den prozentual größten Gewinnsprung schaffte im dritten Quartal MAN: Der Maschinenbauer steigerte seinen Verdienst um märchenhafte 2900 Prozent - allerdings auf niedrigem Niveau, nämlich von sechs auf 180 Millionen Euro. In einer ganz anderen Liga spielt da Daimler: Die Stuttgarter verdienten im dritten Quartal 1,6 Milliarden Euro, das war ein Plus von sagenhaften 2775 Prozent. Außer der Deutschen Bank verdiente nur Eon im abgelaufenen Quartal weniger als im Vorjahreszeitraum - alle anderen Dax-Konzerne legten zu. Außer diesen beiden Konzernen musste einzig Siemens einen Quartalsverlust ausweisen. Insgesamt legte Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr aber Rekordzahlen vor und verbuchte einen Milliardengewinn. Der Konzern beteiligt seine Aktionäre an der guten Entwicklung und hat gestern angekündigt, die Dividende von 1,60 auf 2,70 Euro pro Aktie zu erhöhen.

"Es ist erstaunlich, wie deutlich die Umsatzschätzungen in diesem Quartal geschlagen und übertroffen wurden", kommentierte Andreas Hürkamp, Aktienmarktstratege der Commerzbank. "Viele Investoren hatten eigentlich erwartet, dass nach den beiden guten ersten Quartalen im dritten mehr Gegenwind bläst." Doch das Gegenteil sei passiert - und das, obwohl die Konjunktur in den USA und auch in der Eurozone insgesamt weiter schlecht laufe: "Das ist wirklich sensationell."

Eine wichtige Erklärung für das Phänomen: "Ein Großteil des Gewinnwachstums kommt aus den neuen Wachstumsregionen, den Märkten in Asien und Lateinamerika." Der dortige Boom habe es ermöglicht, dass exportstarke Unternehmen wieder an ihre Vorkrisenumsätze anknüpfen konnten. "Eigentlich dachte man, dass der Aufholprozess noch bis 2012 dauern würde - aber nein: Bei den Umsätzen sind viele Konzerne schon Ende 2010 auf Vorkrisenniveau angekommen." Wer dagegen stark von der Konjunktur in den USA und der Eurozone abhänge, liege meist noch deutlich hinter den 2007er-Zahlen zurück: Die Versorger gehörten in diese Gruppe, auch Bauunternehmen. Auch die Banken hätten angesichts schlechter Nachrichten aus den USA und einigen Euro-Mitgliedsstaaten Probleme bei der Gewinn- und Kursentwicklung. "Doch wer an den globalen Konsumenten hängt - wie der Auto-, Chemie und Industriesektor - ist beim Gesamtumsatz größtenteils schon wieder auf Vorkrisenniveau angekommen."

Ihre Beschäftigtenzahl steigern die Größen der deutschen Wirtschaft trotz des Booms insgesamt nur minimal: Bei den 28 Konzernen sind derzeit zusammen 3,48 Millionen Menschen beschäftigt, rund ein Prozent mehr als 2009. Gewinnsprünge gingen auch 2010 vielfach mit Personalabbau einher: 15 von 28 Konzernen bauten Stellen ab. Prozentual schrumpfte die Mitarbeiterzahl bei der Commerzbank am stärksten - um acht Prozent. Dagegen steigerte der Pharmariese Merck seine Mitarbeiterzahl um 23 Prozent, ebenso K+S. Die meisten Beschäftigten haben die Deutsche Post (rund 421 000), Siemens (405 000) und VW (390 000).

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In den Berechnungen berücksichtigt wurden die Quartalsbilanzen der 28 Dax-Konzerne, die ihr Zahlen bis gestern vorgelegt haben, Infineon folgt am 16. November und ThyssenKrupp am 30. Die fünf Finanz- und Versicherungskonzerne im Dax sind aus der Umsatzberechnung ausgenommen. "Das ist wirklich sensationell."

Aktienmarktstratege

Andreas Hürkamp über die Entwicklung der Dax-Unternehmen

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