Neuer Anbieter sorgt für Bahn-Chaos im Südwesten

Neuer Anbieter sorgt für Bahn-Chaos im Südwesten

Massive Probleme bringt die Übergabe von Nahverkehrs-strecken der Deutschen Bahn im Südwesten an die Privatbahn Vlexx. Zahlreiche Züge fallen aus. Der Vlexx-Geschäftsführer räumt „zu wenig Praxiserfahrung“ ein.

Auf mehreren Bahnstrecken im Nahverkehr in Südwestdeutschland herrscht seit Sonntag Chaos . Viele Züge fallen aus oder sind stark verspätet. Einige Verbindungen müssen sogar mindestens bis Januar 2015 stillgelegt werden. In unserer Region ist die Verbindung von Saarbrücken über Idar-Oberstein und Mainz zum Frankfurter Flughafen von Beeinträchtigungen betroffen. Die Deutsche Bahn hat die Strecken vor zwei Jahren in einem Bieter-Wettstreit an die Privatbahn Vlexx verloren. Diese machte damals das günstigere Angebot. Der Vorgang war auch politisch hoch umstritten. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) griff im Landtags-Wahlkampf 2012 ein und setzte sich mit Blick auf die Jobs bei der DB Regio in Saarbrücken zu Gunsten der Deutschen Bahn ein - erfolglos.

Offensichtlich hat der Betreiber der Privatbahn die Herausforderung der Bedienung eines großen Streckennetzes durch mehrere Bundesländer unterschätzt. Vlexx-Geschäftsführer Martin Deeken räumte gestern ein: "Leider mussten wir jetzt feststellen, dass unser Team zu wenig Praxiserfahrung hat." Schon am Montag forderte das Unternehmen seine Kunden auf, sich in jedem Fall "für den morgigen Tag um Alternativen der Beförderung umzusehen. Dies gilt insbesondere für den Berufs- und Schülerverkehr". Inzwischen hat Vlexx einen Notfahrplan veröffentlicht, der bis 4. Januar 2015 gilt. Alle Anstrengungen werden darauf konzentriert, die Züge des Regionalexpresses zwischen Saarbrücken und Frankfurt fahren zu lassen - hier soll es keine Ausfälle geben. Nach Informationen unserer Zeitung hat Vlexx sogar die Deutsche Bahn gebeten, vorübergehend einige Fahrten in ihrem Auftrag zu bedienen. Zudem will Vlexx personell die Leitstelle aufstocken, die Mitarbeiter auf der Schiene unterstützen soll.

Insider der Deutschen Bahn gehen davon aus, dass die Störungen deutlich länger dauern als bis Januar. Das System Bahn und die Abstimmungen zwischen Fern- und Nahverkehr seien viel zu komplex, um sie kurzfristig zu beherrschen. Das Land als Auftraggeber des Nahverkehrs will prüfen, ob es sich nur um Schwierigkeiten in der Übergangsphase handelt. Von Forderungen nach Schadenersatz ist noch keine Rede.