Neue Kinderkrankheiten auf dem Vormarsch

Neue Kinderkrankheiten auf dem Vormarsch

Wie gefährdet ist die kindliche Sprachentwicklung?Nach dem aktuellen Arztreport der Barmer GEK wird inzwischen bei jedem dritten Kind im Vorschulalter eine Störung der Sprachentwicklung diagnostiziert. In der Gruppe der bis zu 14-Jährigen ist rund jeder Zehnte betroffen. Das sind 1,1 Millionen Mädchen und Jungen

Wie gefährdet ist die kindliche Sprachentwicklung?Nach dem aktuellen Arztreport der Barmer GEK wird inzwischen bei jedem dritten Kind im Vorschulalter eine Störung der Sprachentwicklung diagnostiziert. In der Gruppe der bis zu 14-Jährigen ist rund jeder Zehnte betroffen. Das sind 1,1 Millionen Mädchen und Jungen. Auffällig: Bei Jungs ist die Anfälligkeit durchgängig höher als bei Mädchen. Das deckt sich mit pädagogischen Untersuchungen, wonach Jungs besser rechnen können, aber Mädchen dafür eine bessere sprachliche Begabung haben.

Worin liegen die Ursachen für diese Entwicklung?

Die Forscher vermuten, dass die hohen Diagnoseraten mit einer verstärkten Aufmerksamkeit und Sensibilität der Eltern, aber auch der Ärzte zu tun haben. Bis zum sechsten Lebensjahr haben immerhin fast 90 Prozent der Kinder Kontakt zu einem Kinderarzt. Diese gute Fürsorge könnte die Diagnosen von Sprachstörungen zusätzlich nach oben treiben. Außerdem handele es sich um ein schwer eingrenzbares Krankheitsbild, sagen die Forscher. Allein die Barmer GEK gibt für Therapien beim Logopäden jährlich etwa 70 Millionen Euro aus. Auf alle Kassen hochgerechnet bezifferte Vorstandsvize Rolf-Ulrich Schlenker die Kosten auf rund eine Milliarde Euro.

Was hat es mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS auf sich?

Auf dem Vormarsch ist laut Arztreport auch die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Und wie bei den Sprachstörungen sind überdurchschnittlich häufig die Jungs betroffen. So geht mittlerweile jeder zehnte Junge im Alter von neun Jahren zu einem Neurologen oder Psychiater. Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es nur sechs Prozent.

Gibt es weitere Auffälligkeiten?

Eine dritte auffallend häufig gestellte Diagnose sind krankhafte Hautveränderungen, die als Neurodermitis bezeichnet werden. Mehr als elf Prozent der Kinder bis zu vier Jahren leiden darunter. Bei den bis zu Dreijährigen sind es sogar 16 Prozent. Bemerkenswert sind hier die regionalen Unterschiede. So erreichen alle ostdeutschen Bundesländer deutlich höhere Diagnoseraten als der Westen. Spitzenreiter ist Thüringen mit über 17 Prozent. Das ist fast doppelt so viel wie in Schleswig-Holstein (9,3 Prozent). Unmittelbar nach der Wiedervereinigung wurden allergische Erkrankungen im Kindesalter häufiger in den alten Ländern festgestellt. Für die glatte Umkehrung dieser Entwicklung haben die Experten noch keine Erklärung.

Wie oft gehen die Deutschen zum Arzt?

Wie schon in den vergangenen Jahren hat auch der aktuelle Arztreport die Häufigkeit der Kontakte zwischen Medizinern und Patienten unter die Lupe genommen. Ergebnis: Die Deutschen bleiben hier weltweit Spitzenreiter. Auch 2010 suchte jeder Versicherte im Schnitt 18 Mal eine ärztliche Praxis auf, so oft wie in keinem anderen Land. "Wir haben nach wie vor eine exzellente ambulante Versorgung, die das Vertrauen der Bevölkerung genießt", resümierte Schlenker.

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