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Neue Fang-Quoten lassen Fischpreise steigen

Neue Fang-Quoten lassen Fischpreise steigen

Brüssel/Luxemburg. Der Beschluss kommt den Verbraucher teuer zu stehen. Wer gerne Fisch isst, muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Um rund 13,5 Prozent stiegen die Preise allein im dritten Quartal 2010. Und das ist erst der Anfang

Brüssel/Luxemburg. Der Beschluss kommt den Verbraucher teuer zu stehen. Wer gerne Fisch isst, muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Um rund 13,5 Prozent stiegen die Preise allein im dritten Quartal 2010. Und das ist erst der Anfang. Die 27 Agrarminister der EU standen am Dienstag in Luxemburg vor einer nahezu aussichtslosen Situation: 72 Prozent der Bestände in den EU-Gewässern sind nach Angaben der Kommission überfischt. Die Griechin Maria Damanaki, die innerhalb des Barroso-Teams für Fischereifragen zuständig ist, will spätestens 2012 eine Wende in der europäischen Meerespolitik einleiten. Schon gestern aber wurde deutlich: "Die EU hat nicht mehr viel Zeit." Am späten Abend stimmten die Minister schließlich zu. Damaki bestand damit die erste Feuerprobe seit ihrem Amtsantritt im Februar. Um Fische und Fischer gleichermaßen ein Überleben zu ermöglichen, soll die Wende deshalb schon im kommenden Jahr in der Ostsee beginnen. Der Heringsfang wird um rund 30 Prozent zurückgeschraubt. Damit folgt man den Wissenschaftlern des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES). Statt 23 000 Tonnen dürfen im kommenden Jahr nur noch 16 000 Tonnen in die Netze der Küstenfischer gehen. Die nannten die Senkung ihrer Quote schon vorab "unverantwortlich", denn sie fürchten um ihre Existenz. Zwar gibt es eine leichte Entspannung bei Dorschen, von denen 2011 zwischen sechs und 15 Prozent mehr in die Netze gehen dürfen. Aber auch Sprotten sollen vermehrt im Wasser bleiben: Die Kommission wollte den Fang um 30 Prozent auf rund 266 000 Tonnen reduzieren. Die baltischen Staaten und Polen setzten durch, dass es "nur" 24 Prozent weniger sein müssen. Deren Fischer sind von den Senkungen der Quoten in ganz besonderem Maße betroffen. Die Vorschläge für die Fangmengen in der Ostsee sind der erste von vier Schritten. Im kommenden Jahr muss der Ministerrat sich auf Gesamtfangmengen für Tiefseearten und Ende des Jahres auch für die Gebiete Schwarzes Meer, Atlantik und andere Meere einigen. Die deutschen Nordseeküsten sind schon seit dem Vorjahr von Fangquoten-Kürzungen betroffen. 20 Prozent weniger Hering, 20 Prozent weniger Seezunge. Auch der Lachs muss geschont werden. Dafür gab es leichte Anhebungen bei Scholle und Seehechten. Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH): "Eine nachhaltige Fischereipolitik ist längst überfällig. Nur dann haben Dorsch, Hering und Sprotte auch in der Ostsee eine Chance." Allerdings muss noch ein weiterer Streitpunkt gelöst werden. Immer mehr EU-Fischer weichen angesichts überfischter Gewässer ausgerechnet in jene Regionen der Weltmeere aus, die eigentlich der dortigen Bevölkerung vorbehalten sein sollten - vor allem Afrika. Auch da will Brüssel in den nächsten Monaten eine Kurskorrektur. Und auch die bedeutet: weniger Fisch und deshalb steigende Preise.