Nachtschicht in der Wüste

Doha. Die Klimakonferenz in Doha im Emirat Katar geht in die Verlängerung. Am Freitagabend zeichnete sich weiterhin kein Kompromiss in strittigen Fragen ab. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Rande des Treffens, dass die Verhandlungen vermutlich bis tief in die Nacht weitergehen würden

Doha. Die Klimakonferenz in Doha im Emirat Katar geht in die Verlängerung. Am Freitagabend zeichnete sich weiterhin kein Kompromiss in strittigen Fragen ab. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Rande des Treffens, dass die Verhandlungen vermutlich bis tief in die Nacht weitergehen würden. Ein Vertreter Russlands äußerte sogar die Vermutung, dass ein Ergebnis erst am Sonntag feststehen könnte. Viele Staaten zeigten sich am Mittag während einer Bestandsaufnahme besorgt über den ausbleibenden Fortschritt in den Verhandlungen.Ziel der Gespräche ist es nicht, einen neuen Klimavertrag auszuhandeln. Auf der letzten Klimakonferenz in Durban setzten sich die Unterhändler hierfür 2015 als Deadline. In Doha sind vor allem die Details einer neuen Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll über die Reduzierung von Treibhausgasen umstritten, die in wenigen Wochen endet. Zu einem der Hauptstreitpunkte ist die sogenannte heiße Luft geworden, womit überschüssige Emissionszertifikate aus der ersten Kyoto-Periode bezeichnet werden. Vor allem osteuropäische Staaten erhoffen sich dadurch Vorteile, da sie nach dem Zusammenbruch ihrer Industrien in den 1990er Jahren über massive Reserven verfügen. Die EU hatte vorgeschlagen, dass die Emissionsrechte zwar für eigene Zwecke des betroffenen Landes weiter genutzt werden dürfen, beim Verkauf allerdings strenge Bedingungen gelten sollen.

Ein weiterer Knackpunkt waren die Finanzen. Die Zusagen zur Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen laufen ebenso wie das Kyoto-Protokoll Ende des Jahres aus. Ab 2020 sollen allerdings jedes Jahr 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stehen, für den Zeitraum dazwischen gibt es bislang keine Regelung. Der Vertreter Chinas betonte die Notwendigkeit für ein konkretes Ziel für 2013 bis 2015, um eine Lücke zu vermeiden. Mehrere europäische Staaten sowie die EU-Kommission hatten im Laufe der Woche knapp sieben Milliarden Euro für die nächsten ein bis zwei Jahre in Aussicht gestellt.

Keine Einigkeit in der EU

Altmaier äußerte sich enttäuscht, dass es voraussichtlich weder bei den Finanzen noch bei den Reduktionszusagen "nicht schon jetzt zu verbindlichen Zahlen kommen wird". Auch die EU ist gespalten, vor allem was die Reduzierung des Treibhausgasausstoßes anbelangt. "Ich hoffe, dass es uns gelingt, auch innerhalb der Europäischen Union innerhalb der nächsten Monate unser Klimaziel so anzupassen, dass daraus eine ehrgeizige Politik erkennbar wird", sagte Altmaier. Der Umweltminister sollte am Freitagabend gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Singapur einen der Verhandlungsstränge leiten, bei dem es unter anderem auch um Finanzen geht.

Angesichts der schleppenden Verhandlungen plädierte Altmaier für eine Reform der Klimakonferenzen. Er halte diese Treffen zwar nicht für überflüssig, aber für "dringend erneuerungs- und ergänzungsbedürftig".