Monsieur le Président im Liebestaumel?

Monsieur le Président im Liebestaumel?

Hat er oder hat er nicht? Gerüchte um eine Affäre des französischen Präsidenten mit einer Schauspielerin gibt es schon länger. Nun will das Klatschmagazin „Closer“ die Liaison mit Fotos belegen können. Hollande droht mit dem Anwalt.

Der Liebhaber kommt auf dem Motorroller an - sein Gesicht sorgsam hinter einem Helm versteckt. Ein Leibwächter hat kurz zuvor die Lage inspiziert und grünes Licht gegeben: Die Luft ist rein für das geheime Stelldichein - glaubt er zumindest. Den Fotografen hat er an diesem Tag allerdings übersehen. Ein Versäumnis mit explosiven Folgen. Jetzt hat das Magazin "Closer" die Exklusiv-Aufnahmen in seiner neuesten Ausgabe publik gemacht und die Identität des heimlichen Besuchers gelüftet: Demnach ist dieser kein anderer als Frankreichs Präsident François Hollande (59).

"Closer" zufolge unterhält der Sozialist seit sechs Monaten eine Liaison mit der Schauspielerin Julie Gayet (41). Die attraktive Brünette, die außerhalb Frankreichs eher unbekannt ist, hatte Anfang der 1990er Jahre als Statistin in Krzysztof Kieslowskis Trilogie "Drei Farben" begonnen, bevor sie von der Pionierin des Autorenfilms Agnès Varda für eine erste größere Rolle entdeckt wurde. Im Wahlkampf 2012 wirkte Gayet zudem in einem Clip für Hollandes Kampagne mit und überschüttete den damaligen Präsidentschaftskandidaten mit Lob: Er sei "bescheiden", "einfach großartig" und könne "wirklich zuhören", schwärmte die 41-Jährige in dem Video, das noch immer im Internet abrufbar ist. Inzwischen soll aus der Schwärmerei mehr geworden sein: Unter dem Titel "François Hollande und Julie Gayet - die heimliche Liebe des Präsidenten" verbreitet das Magazin auf sieben Sonderseiten und mit zahlreichen Fotos unterfüttert genüsslich Details der angeblichen Beziehung.

Seit Juni vergangenen Jahres, schreibt "Closer", verbrächten die beiden immer wieder gemeinsame Nächte in einem Appartement der Schauspielerin, das diese im vornehmen 8. Pariser Bezirk auf den Namen von Freunden gemietet habe - "keine fünf Minuten" vom Elysée-Palast entfernt - also dem Sitz des Präsidenten. Die geheimen Stelldicheins liefen demnach stets diskret und nach demselben Muster ab: Zunächst treffe Gayet aus ihrer anderen Pariser Wohnung aus kommend ein, wo die verheiratete Mutter mit ihren zwei Kindern lebt. "Eine halbe Stunde später" überprüfe der Leibwächter des Präsidenten den Hauseingang. "Zwei bis drei Minuten danach wird der Staatschef auf dem Motorroller von einem Fahrer abgesetzt." Zum Jahreswechsel sollen die beiden gleich zwei Nächte infolge dort gewesen sein. "Am Morgen des 31. Dezembers hat der Leibwächter des Präsidenten sogar Croissants gebracht", schreibt das Magazin und wirft gleichzeitig Fragen nach der Sicherheit des Präsidenten auf.

Hielt sich der Palast, der von der bevorstehenden Veröffentlichung offenbar wusste, zunächst zurück, hat Hollande inzwischen reagiert - zwar nicht als Präsident, aber als "Privatmann". In einer Erklärung bedauerte er "zutiefst" die Verletzung seiner Privatsphäre und kündigte an, juristische Schritte zu prüfen. Ein ausdrückliches Dementi indes erfolgte nicht. Damit stand das Land umgehend Kopf. Dass ausgerechnet Hollande, der sich im Wahlkampf als "Monsieur Normal" ausgegeben hatte, abermals eine Geliebte haben soll, überraschte dann doch in Frankreich - auch wenn das Land an amouröse Eskapaden seiner Staatsoberhäupter eigentlich gewöhnt ist.

So wurden etwa dem konservativen Jacques Chirac immer wieder Affären nachgesagt. Noch schlimmer soll es sein sozialistischer Vorgänger François Mitterrand getrieben haben, der der Öffentlichkeit sogar 20 Jahre lang eine uneheliche Tochter verheimlichte. Hollande ging seinerseits eine Beziehung mit seiner heutigen Partnerin, der Journalistin Valérie Trierweiler, ein, obwohl er eigentlich mit der sozialistischen Politikerin Ségolène Royal liiert war, mit der er vier Kinder hat.

Bisher haben Frankreichs Medien in diesen Dingen auch immer die Augen verschlossen, die Presseberichterstattung hörte meist an der Schlafzimmertür auf. Dass "Closer" mit dieser Gepflogenheit bricht, ist neu in Frankreich. Chefredakteurin Laurence Piau verteidigte ihr Vorgehen mit den Worten, dass sich "die Grenzen bewegt" hätten, das Privatleben eines Präsidenten sei in den Medien nicht mehr Tabu. Die Politik sieht dies hingegen noch anders. Zahlreiche Parteifreunde Hollandes, aber auch konservative Oppositionspolitiker stellten sich in seltener Einmütigkeit hinter den Präsidenten und erklärten, dieser habe das "absolute Recht", auf den Schutz seines Privatlebens zu pochen.

Weniger behutsam gingen dagegen die Bürger mit ihrem Präsidenten um. Im Internet ergoss sich eine Welle von Spott über Hollande, der in der Beliebtheitsskala derzeit ohnehin ganz unten rangiert. Eine Mehrheit wirft ihm vor, keinen Plan zu haben, um das Land wirtschaftlich voranzubringen und Arbeitsplätze zu schaffen. Angesichts der vermeintlich neuen Herzensaffäre fragen sich viele Franzosen nun, wann ihr Präsident sich nun endlich an die Arbeit machen wird.

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