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Mit Feuerlöschern gegen das Flammenmeer

Mit Feuerlöschern gegen das Flammenmeer

Moskau. Nur mit einfachen Feuerlöschern kämpfen viele Russen gegen die Flammen. Doch die meisten haben nicht einmal Wasser zum Löschen. Russland muss weiter zusehen, wie die Feuerwalze Dörfer, Wälder und Felder in Asche legt. Einsatzkräfte sind besonders damit beschäftigt, atomare, militärische und andere strategische Anlagen vor dem Feuer zu schützen

Moskau. Nur mit einfachen Feuerlöschern kämpfen viele Russen gegen die Flammen. Doch die meisten haben nicht einmal Wasser zum Löschen. Russland muss weiter zusehen, wie die Feuerwalze Dörfer, Wälder und Felder in Asche legt. Einsatzkräfte sind besonders damit beschäftigt, atomare, militärische und andere strategische Anlagen vor dem Feuer zu schützen. Zivilschutzminister Sergej Schoigu hat bereits davor gewarnt, dass die Brände radioaktiv verseuchten Boden im Gebiet von Brjansk aufwirbeln könnten. Brjansk befindet sich südwestlich von Moskau an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine. Die Region ist seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 besonders stark von Radioaktivität betroffen. Russlands Regierungschef Wladimir Putin verglich die Lage gar mit einem Krieg. "Wir hatten viele Probleme in unserem Land zu allen Zeiten. Russland hat allem widerstanden, alles überlebt", sagte Putin bei einer Krisensitzung unlängst. Doch vorerst brennt es an allen Ecken und Enden. Immer mehr Menschen sterben - auch wegen der Gluthitze. Die Feuerwalze rollt zunehmend in den Süden des Landes. Schon jetzt belaufen sich die Gesamtschäden auf rund 25 Milliarden Euro, wie die Zeitung "Moskowski Komsomolez" von Experten schätzen ließ. Das sind etwa zehn Prozent des russischen Haushalts. Während sich Putin täglich an den kriegsähnlich verwüsteten Brandherden zeigt, wächst in der Bevölkerung der Ärger über den miserablen Brandschutz allerorten. Oft rollen mehr als 30 Jahre alte klapprige Löschfahrzeuge durch Orte, wo von starken Winden angefachte Flammen im Nu alles verschlingen. Es gebe keine Alarmsysteme, keine Löschteiche oder Fahrzeuge - geschweige denn eine Ortsfeuerwehr, meinte der Internet-Blogger Alexander Potschkow. Er schlug vor, mit seinem Steuergeld selbst ein Löschfahrzeug zu kaufen. Mit Feuerlöschern hätten sich die Dorfbewohner schon ausgerüstet. "Der liebe User", wie ihn Putin anschrieb, meinte zudem, dass sogar die Kommunisten das mit dem Brandschutz besser hinbekommen hätten. Putin stimmte der Kritik "grundsätzlich" zu, gab aber zu bedenken, dass es eine solche Hitze mit extremer Dürre seit mehr als 140 Jahren nicht gegeben habe. Er schickte dem Mann eine Feuerglocke, mit der zu Sowjetzeiten die Löschtrupps zusammengerufen wurden. Klar, dass die Staatspropaganda auf Potschkows Initiative wohl vor allem deshalb reagierte, weil sie dem Ideal eines von Bürgern organisierten Brandschutzes entspricht. Damit ist es aus Sicht von Experten aber nicht getan, weil in vielen Dörfern fast nur noch ältere oder kranke Menschen leben. Die können sich kaum wirksam bei der Freiwilligen Feuerwehr engangieren. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte erneut Putins Waldgesetz, das er 2007 als Kremlchef unterschrieben hatte. Damit waren auch 75 000 Förster "abgeschafft" worden, wie der Greenpeace-Experte Alexej Jaroschenko monierte. Früher hätten Patrouillen oft Brände rechtzeitig entdeckt, bevor sie auf Siedlungen übergriffen. Zuständig seien nun regionale Verwaltungen und Pächter, doch fehle dort entweder die Koordination oder die Professionalität. "Es gibt kein Geld und keine Technik", schimpfte Jaroschenko. Die im russischen Haushalt für den Brandschutz veranschlagten 56 Millionen Euro seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hinzu komme, dass der Zivilschutz erst dann mit dem Löschen anfange, wenn bewohnte Gebiete betroffen seien - nicht aber bei Bränden in der Natur.