Mit dem Anpfiff sollen auch die Kassen klingeln

München. Es ist angerichtet für ein neues, weibliches Sommermärchen. Am Sonntag wird mit der Partie Deutschland gegen Kanada die Frauenfußball-WM in Deutschland angepfiffen. Die Chancen der Elf mit dem Bundesadler auf einen dritten Titel in Folge stehen nicht schlecht, sagen Experten. Sportlich ist die Frauenmannschaft damit klar stärker als die Männerelf

München. Es ist angerichtet für ein neues, weibliches Sommermärchen. Am Sonntag wird mit der Partie Deutschland gegen Kanada die Frauenfußball-WM in Deutschland angepfiffen. Die Chancen der Elf mit dem Bundesadler auf einen dritten Titel in Folge stehen nicht schlecht, sagen Experten. Sportlich ist die Frauenmannschaft damit klar stärker als die Männerelf. Aber auch wirtschaftlich tut sich etwas. "Frauenfußball ist eine ernstzunehmende Sportart geworden", sagt Hartmut Zastrow. Er ist Vorstand der Kölner Beratungsfirma Sport+Marketing.Von den sechs nationalen Sponsoren der WM (Allianz, Mercedes, Rewe, Deutsche Bahn, Post und Telekom) kassiert der Weltfußballverband Fifa je drei bis vier Millionen Euro. "Das ist richtig Geld", findet Zastrow. So viel zahle ein Werbepartner auch für ein Team der Männer-Fußballbundesliga pro Spielzeit. Verglichen mit der Männer-WM müsse man die Sponsoring- und TV-Gelder bei der Frauenweltmeisterschaft etwa durch zehn teilen, sagt der Marketingexperte. Ganz fair findet er den Vergleich aber nicht. Denn die Männer-WM gilt als das lukrativste Sportereignis der Welt noch vor den Olympischen Spielen.

Ökonomisch auf Augenhöhe stehe die diesjährige Frauen-WM dagegen mit einer Weltmeisterschaft im Handball, Basketball oder Eishockey der Männer. Damit habe die Vermarktung des Frauenfußballs zur WM 2011 einen Sprung getan. Wirtschaftlich seien weibliche Fans und Fußballerinnen ohnehin in den letzten Jahren die treibende Kraft des einstigen Männersports gewesen, sagt Zastrow.

In der öffentlichen Aufmerksamkeit würde es wohl für einen neuen Rekord sorgen, wenn die deutschen Damen das WM-Finale erreichen, vorzugsweise gegen Brasilien. Dann dürfe man deutlich über 15 Millionen Zuschauer erwarten. Das letzte Frauen-Endspiel 2007 zog insgesamt gut neun Millionen Deutsche an die Bildschirme.

Auch Topsponsor Adidas ist optimistisch. Zusammen mit Nike teilen sich die Franken die Ausrüstung der 16 weiblichen WM-Teams. Rivale Puma stellt lediglich die Schuhe für acht deutsche Spielerinnen zur Verfügung und auch für die fünfmalige Weltfußballerin Marta da Silva aus Brasilien. Ein Puma-Team hat sich für die Endrunde nicht qualifiziert. Adidas will erstmals bei einer Frauen-WM über 100 000 Frauentrikots der deutschen Elf verkaufen, etwa ein Zehntel dessen, was bei einer Männer-WM über den Verkaufstresen geht. Dazu stellen die Franken traditionell den Spielball, der diesmal Speedcell heißt. Kommerziell wichtigstes Land für Frauenfußball sind laut Adidas die USA vor China und Deutschland. Auch in Lateinamerika und Japan verkaufe sich Frauenfußball gut. Das allgemeine Interesse daran, aber auch das von Frauen am Männerfußball, steigt, stellt Adidas klar.

Je weiter das deutsche Team 2011 kommt, desto besser ist das für die Verkaufszahlen und für die Zeit nach der WM. Das betont auch der Sporthandelsverband Intersport, der hier zu Lande die offiziellen Fanshops für die Frauen-WM betreibt. Vor allem bei einem Erfolg des deutschen Teams werde es hier zu Lande einen Schub bei Neuanmeldungen von Mädchen in den Vereinen geben, sagt Intersport-Chef Klaus Jost voraus. Die brauchen dann anhaltend Trikots, Schuhe und andere Ausrüstung, was für den eigentlichen wirtschaftlichen Impuls im Handel sorgt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort