Missbrauch: Bischöfe bitten um Vergebung

Freiburg/Homburg. Die deutschen katholischen Bischöfe wollen energische Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen an katholischen Schulen ziehen. Es handele sich um "abscheuliche Taten", sagte gestern der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Er entschuldigte sich zugleich bei den Opfern

Freiburg/Homburg. Die deutschen katholischen Bischöfe wollen energische Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen an katholischen Schulen ziehen. Es handele sich um "abscheuliche Taten", sagte gestern der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Er entschuldigte sich zugleich bei den Opfern. "Beschämt und schockiert bitten wir alle um Entschuldigung und Vergebung", die Opfer geworden seien, sagte Zollitsch. Bislang sei das Ausmaß der sexuellen Übergriffe unterschätzt worden, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz. Nun sei die Kirche jedoch "zur lückenlosen Aufklärung dieses schweren Unrechts entschlossen".

In einem ersten Schritt wurde der Bischof von Trier, Stephan Ackermann (Foto: Lorenz), als Beauftragter eingesetzt. Der 46-Jährige soll sich mit allen Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im kirchlichen Bereich befassen. Ackermann werde darauf achten, dass dies in den Diözesen und Orden streng verfolgt werde, sagte Zollitsch. Zudem soll eine bundesweite Hotline zu dem Thema eingerichtet werden. Die Kirche stellt ferner ihre Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch auf den Prüfstand, beispielsweise mit Blick auf die Priester-Ausbildung. Am Sitz der Bischofskonferenz in Bonn wird eine Zentralstelle zur Untersuchung von Missbrauchsfällen eingerichtet.

Im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen im Internat des Homburger Gymnasiums Johanneum gibt es ein weiteres Geständnis. Ein 73-jähriger Pater der Hiltruper Missionare, der jahrzehntelang im Johanneum arbeitete, gab sexuelle Übergriffe auf Schüler zu. Die Fälle lägen über 20 Jahre zurück, sagte der Provinzial des Ordens, Werner Gahlen, zur SZ.

Der Chef der Saar-SPD, Heiko Maas, plädiert derweil für eine Abschaffung der Verjährungsfrist bei Missbrauch von Minderjährigen. Unserer Zeitung sagte er, die Frist schütze "viel zu oft die Täter vor Strafverfolgung". Der saarländische Bund der Kriminalbeamten unterstützte den Vorstoß. , Meinung epd/dpa/red

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