Minister nennt Flüchtlingsnot eine „Jahrhundert-Katastrophe“

Berlin/Saarbrücken · Eine internationale Konferenz in Berlin beschäftigt sich heute mit der Not der Syrien-Flüchtlinge. Von einer „Jahrhundert-Katastrophe“ spricht Bundesminister Gerd Müller. Im Saarland wurden erste Maßnahmen beschlossen, um die Lage der Betroffenen im Land zu verbessern.

Gut drei Jahre nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs hat sich die Situation der Flüchtlinge dramatisch zugespitzt. "Wir haben es hier mit einer Jahrhundert-Katastrophe zu tun", sagte gestern Entwicklungshilfeminister Gerd Müller im Vorfeld einer internationalen Hilfskonferenz in Berlin . Der CSU-Politiker sieht unter anderem die Europäische Union in der Pflicht. "Das Geld ist da - man muss nur neue Prioritäten setzen", sagte er. Müller warb dafür, kurzfristig eine Milliarde Euro aus EU-Mitteln bereitzustellen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU ) forderte die Konferenzteilnehmer von 40 Staaten und Organisationen zu umfangreicher Hilfe auf. Nach Angaben des Welternährungsprogramms werden zur Versorgung der notleidenden Menschen allein in diesem Jahr umgerechnet 1,5 Milliarden Euro gebraucht. Bislang seien aber erst knapp 600 Millionen zugesagt worden, hieß es.

Im Saarland wurden derweil die Weichen gestellt, um die Lage der Flüchtlinge im Land zu verbessern. Eine Arbeitsgruppe von Vertretern des Innen- und des Sozialministeriums, der Kommunen und der Wohlfahrtsverbände beschloss unter anderem einen Leitfaden zur Verteilung, Betreuung und Integration der Betroffenen. "Damit geben wir den Kommunen ein Stück Sicherheit", sagte Innenministerin Monika Bachmann (CDU ). Deutsches Rotes Kreuz , Caritas und Diakonie sollen demnach mehr Flüchtlinge in eigenen Wohnungen und Projekten betreuen. Das Land unterstütze dabei die Schaffung von drei Stellen für Integrationshelfer beim Deutschen Roten Kreuz, so Bachmann. Zudem will das Sozialministerium in den Kommunen mehr Ehrenamtliche für die Flüchtlingsarbeit gewinnen. Über die Kosten der beschlossenen Maßnahmen machte Bachmann keine Angaben .

Der Präsident des Saarländischen Städte- und Gemeindetags Klaus Lorig (CDU ) zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen. So sollten die Kommunen künftig vier Wochen Vorlaufzeit bekommen, um die Ankunft der Flüchtlinge vorzubereiten, sagte er zu SZ. Lorig forderte aber auch finanzielle Unterstützung: "Den Kommunen steht das Wasser bis zum Hals." Sie täten sich schwer, noch Wohnraum für Flüchtlinge zu finden. Es gebe bereits Überlegungen, Wohncontainer aufzustellen. > e, Interview

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