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Mexiko schnappt blutrünstigen Drogenboss

Mexiko schnappt blutrünstigen Drogenboss

Mexiko ist ein Schlag gegen die Drogenmafia geglückt: „Z-40“, der Chef der mächtigen „Zetas“ sitzt hinter Schloss und Riegel. Ob damit die Kartelle insgesamt geschwächt werden, ist eher fraglich.

Der Drogenboss liebte Rennpferde. Sie hörten auf so klangvolle Namen wie "Cartel Number One" oder "Mr. Piloto", und sie dienten dem Chef des mächtigen "Zeta"-Kartells nicht nur als Zeitvertreib. Denn Kauf und Aufzucht wertvoller Vollblüter nutzte Miguel Ángel Treviño auch zur Geldwäsche. Dafür unterhielt er eine erfolgreiche Firma in den USA, die von seinem Bruder José gemanagt wurde.

José wurde voriges Jahr wegen Geldwäsche in den USA verhaftet, und nun sitzt auch Pferdenarr Miguel Ángel hinter Gittern. Am Montagmorgen schnappte ihn eine Eliteeinheit der mexikanischen Marine nahe der US-Grenze, morgens um 3.45 Uhr - ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Die Festnahme gilt als erster großer Erfolg des neuen Staatspräsidenten Enrique Peña Nieto im Kampf gegen die Kartelle. Mexiko und die USA hatten auf Hinweise, die zur Ergreifung Treviños führten, fünf Millionen Dollar Belohnung ausgesetzt.

Doch dass die Festnahme des bekannten Gangsterbosses die Drogenmafia insgesamt schwächt, ist kaum zu erwarten. Ihr Hauptgeschäft ist der Schmuggel südamerikanischen Kokains nach Nordamerika, das ein riesiger Markt für Rauschgift ist. An einer der Schnittstellen des Drogenhandels wurde Treviño vor 40 Jahren geboren: in Nuevo Laredo, einer öden Grenzstadt am Rio Grande.

Massaker an Migranten

Bei den "Zetas", einem für seine Grausamkeit berüchtigten Drogenkartell, landete er erst später. Diese arbeiteten zuerst für das Golf-Kartell, bevor sie sich 2010 von diesem lösten. Heute kontrolliert die Gruppe 32 mexikanische Bundesstaaten und ist die mächtigste Verbrecherorganisation des Landes. Schon damals ging Treviño nicht nur dem Drogenhandel nach. Seine Leute kidnappten auch Migranten aus den zentralamerikanischen Nachbarländern, die auf dem Weg in die USA durch Mexiko irrten. Wenn bei ihnen kein Lösegeld zu holen war oder sie sich weigerten, mit den "Zetas" zusammenzuarbeiten, wurden sie ermordet und zerstückelt. Auf Treviños Konto geht auch ein Massaker an über 60 Einwanderern in San Fernando im Bundesstaat Tamaulipas vor drei Jahren.

Tamaulipas ist die Heimat der "Zetas". Deren Führung Treviño alias "Z-40" erst im vorigen Oktober die Führung von Heriberto Lazcano ("Z-3") übernommen, der von den Sicherheitskräften erschossen wurde. Bis heute ist nicht klar, ob Treviño seinen Boss ans Messer lieferte, jedenfalls waren beide seit langem zerstritten.

Treviño und Lazcano sind nur zwei von vielen Drogenbossen, die in Mexiko in den vergangenen Jahren entweder gefasst oder getötet wurden. Doch fast immer stand der Nachfolger schon bereit oder rivalisierende Kartelle nahmen einer geschwächten Bande Marktanteile weg. Von einer Schwächung der "Zetas" könnte das Sinaloa-Kartell im Nordwesten des Landes profitieren, dessen Chef Joaquín "El Chapo" Guzmán 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang. Als Nachfolger Treviños wird sein Bruder Omar gehandelt: "Z-42".