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Berlin: Merkel/Macron korr 17 Uhr

Berlin : Merkel/Macron korr 17 Uhr

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Diesem Auftritt wohnt kein Zauber inne. Und wenn doch, schaffen es Angela Merkel und Emmanuel Macron sehr konsequent, ihn zu verbergen. Da helfen auch die obligatorischen Begrüßungs-Küsschen nichts: Die Kanzlerin hat an diesem Donnerstag ihre ernsteste Miene zur gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten mitgebracht.

Immer wieder schaut Merkel den jungen Franzosen von der Seite an, als er seine Vision eines geeinten Europas umschreibt. Die Blicke der beiden, die 2017 noch als europäisches Traumpaar galten, treffen sich fast nie. Dabei hat Merkel für den Empfang ihres wichtigsten Partners in der EU extra einen symbolträchtigen Ort gewählt: die Baustelle des Humboldt-Forums im wiedererstehenden Berliner Stadtschloss. Ein „sehr europäisches Projekt“ nennt die Kanzlerin das Forum. Dass es nach den Gebrüdern Humboldt benannt sei, zeige außerdem, dass es eine enge deutsch-französiche Zusammenarbeit in Kultur und Wissenschaft schon früher gegeben habe.

Das Humboldt-Forum steht quasi für die Hauptthemen von Merkels vierter Amtszeit: Hier soll nach der für Ende 2019 geplanten Eröffnung nach Lösungen bei Migration und Globalisierung gesucht werden. Doch schon jetzt wollen Merkel und Macron neuen Schwung in die deutsch-französische Achse bringen. Weitreichende EU-Reformen sollen verhindern, dass die Rechtspopulisten bei der Europawahl Ende Mai 2019 Erfolge einfahren.

Ein halbes Jahr musste der Franzose nach seinen EU-Reformvorschlägen in der Pariser Sorbonne wegen der langen Regierungsbildung auf eine Antwort aus Berlin warten. Und jetzt tritt Merkel bei der Reform der europäischen Finanzarchitektur auf die Bremse. Die Kanzlerin muss sich Sorgen machen, dass sie bei Bundestagsabstimmungen über wichtige europäische Änderungen in den eigenen Reihen keine Mehrheit bekommen könnte. Immerhin: Bis zum EU-Gipfel Ende Juni wolle man eine Lösung in der Reformdebatte finden.

Macron hat die Kanzlerin in letzter Zeit mehrfach unter Druck gesetzt. So ist er im Syrien-Konflikt und im Fall des vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal voranmarschiert. Bei der Ausweisung russischer Diplomaten etwa hatte Paris klargemacht, dass man diesen Schritt auch ohne Berlin tun würde. Merkel blieb letztlich gar nichts anders übrig, als mitzuziehen – weil sie unbedingt das Signal der Zerstrittenheit der wichtigsten EU-Partner gegenüber Wladimir Putin vermeiden wollte.

Auch bei der Reaktion auf den jüngst mutmaßlich von der syrischen Regierung verantworteten Giftgasangriff ließ Macron Merkel nicht gerade tatkräftig aussehen. Er setzte an der Seite von US-Präsident Donald Trump und der britischen Premierministerin Theresa May sein Militär für einen Vergeltungsschlag ein. Merkel hatte auch hier kaum eine Alternative zur Unterstützung. Immerhin betonen die beiden nun, sie wollten mit einer einheitlichen Linie in ihre Gespräche mit Trump in der nächsten Woche gehen. Macron ist von Montag bis Mittwoch in den USA und trifft den US-Präsidenten sogar auf dem Golfplatz. Bei Skripal und in der Kritik an Putin ist er viel näher bei Trump als Merkel. Am Freitag der Woche wird sich dann zeigen, ob der Amerikaner es schafft, die wichtigen Europäer gegeneinander auszuspielen: Die Kanzlerin kommt direkt nach Macron für einen eintägigen Kurztrip zu Trump nach Washington.

Vor gut einem Jahr hatte Merkel bei Macrons erstem Besuch Hermann Hesse zitiert: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Darauf angesprochen, sagte sie nun: „Als ich das damals zitierte, wusste ich noch nicht ganz genau, dass die Bildung einer Regierung so lange dauert. Deshalb haben wir den Zauber ein bisschen konserviert und ein paar Monate weggelegt. Aber jetzt kommt er wieder.“