Meinung

Meinung Londoner Doppelmoral Von SZ-RedakteurBernard Bernarding Nein, im Fall des unsympathischen Egomanen Julian Assange geht es nicht um Kriminalität. Es geht um harte Politik

Meinung

Londoner Doppelmoral

Von SZ-RedakteurBernard Bernarding

Nein, im Fall des unsympathischen Egomanen Julian Assange geht es nicht um Kriminalität. Es geht um harte Politik. Assange steht auf der Sünderliste von Washington und London ganz oben, weil seine Enthüllungsplattform "Wikileaks" die Mächtigen dieser Welt ärgert und sie ihm deshalb das Handwerk legen wollen. Das ist zwar nachvollziehbar, doch in einer Demokratie sollten eigentlich keine Gründe vorgeschoben werden dürfen.

Es ist immer problematisch, wenn die Staatsmacht ein Exempel statuieren will. So wie Großbritannien, das sich auf Wunsch der USA in einer dubiosen Sex-Ermittlung (gegen einen australischen Bürger in Schweden) so engagiert, dass es sogar die Botschaft Ecuadors belagern lässt. Das ist keine Durchsetzung von Rechtstaatlichkeit, sondern Missbrauch von Macht. Welch fragwürdige (Doppel-)Moral, wenn man mit dem Finger auf Moskau und Wladimir Putin zeigt, aber selbst keine Hemmungen kennt, wenn eigene Interessen auf dem Spiel stehen. Und was bringt das ganze Staatstheater? Solidarität mit einem Typen, der sie menschlich gar nicht verdient hat.