Düsseldorf: Mehr Geld für Kampf gegen Salafismus

Düsseldorf : Mehr Geld für Kampf gegen Salafismus

NRW-Innenminister Herbert Reul will die Extremisten im Internet aufspüren.

Das NRW-Innenministerium baut das Anti-Salafismus-Programm „Wegweiser“ massiv aus und setzt dabei auf eine neue Online-Strategie. NRW-Innenminsiter Herbert Reul (CDU) sagte unserer Redaktion: „Wir dürfen uns nicht auf bisherigen Erfolgen ausruhen, sondern müssen die Strategie ständig weiterentwickeln. Deshalb gehen wir mit unserem Salafismus-Präventions-Programm ,Wegweiser’ jetzt online.“

Reul will die landesweit über 20 „Wegweiser“-Kontaktstellen mit insgesamt 25 Vollzeitstellen verstärken. Sein Plan sieht die Aufstockung des „Wegweiser“-Etats von derzeit gut fünfeinhalb Millionen Euro pro Jahr um mehr als ein Drittel vor. „Wenn unsere Zielgruppe im Netz unterwegs ist, müssen wir natürlich auch dorthin“, sagte Reul.

„Wegweiser“ ist ein noch von der Vorgängerregierung ins Leben gerufenes Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus. Es soll Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen in ihren Anfängen verhindern. Die Standorte stehen Angehörigen und anderen Personen wie etwa Lehrern offen, die entsprechende Veränderungen an jungen Menschen beobachten.

Neben einer virtuellen Beratungskomponente etwa für Angehörige, die anonym bleiben wollen, soll der Internet-Ableger auch auf Diskussionen in einschlägigen Foren einwirken. Entsprechend geschulte Mitarbeiter sollen sich dort mit Jugendlichen vernetzen, Meinungen hinterfragen und differenzierte Denkprozesse anregen. Dabei sollen die neuen Fachkräfte auch zur Früherkennung beitragen. Bei Auffälligkeiten wie etwa Aufrufen zu Gewalt oder der Vorbereitung von Attentaten sollen sie eingreifen.

Experten begrüßten den neuen Ansatz. Michael Kiefer von der Uni Osnabrück fordert zusätzlich einen Lehrstuhl für Islamismus-Forschung: „Es gibt zwar gut ausgestattete Forschungsprojekte, aber niemanden, der die Ergebnisse zusammenführt und daraus neue Fragestellungen entwickelt.“ Ein solcher Lehrstuhl könne auch bislang fehlende Fortbildungen etwa für Sozialarbeiter entwickeln.

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