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Mehr Bomben gegen die Gotteskrieger

Mehr Bomben gegen die Gotteskrieger

Einerseits will der US-Präsident Härte demonstrieren im Ringen mit dem "Islamischen Staat" (IS), nachdem die Enthauptung zweier Reporter die amerikanische Öffentlichkeit wachgerüttelt hat und den Ruf nach Vergeltung laut werden ließ.

Andererseits versucht Barack Obama klarzustellen, dass er nicht daran denkt, George W. Bushs desaströsen Feldzug im Irak zu wiederholen. Er muss ein Image pflegen, dem er einst seinen Aufstieg verdankte, die Reputation des Anti-Bush, und zugleich einer Militäraktion das Wort reden, gegen die er sich selber lange sträubte. Die Vereinigten Staaten, verspricht Obama, werden eine breite Koalition zimmern, um die IS-Rebellen "zu schwächen und letztlich zu zerstören". "Wir werden die Terroristen zur Strecke bringen, wo immer sie sind", sagt er und skizziert das Szenario einer Eskalation. "Dies ist ein Grundprinzip meiner Präsidentschaft: Wer Amerika bedroht, wird keinen sicheren Hafen finden." Daher werde er nicht zögern, IS auch in ihren syrischen Hochburgen anzugreifen.

Damit deutlich wird, dass den Worten Taten folgen, kündigt der Commander-in-Chief an, 475 zusätzliche Militärberater nach Bagdad und Erbil zu entsenden, Ausbilder, die sowohl die irakische Armee als auch die kurdischen Peschmerga anleiten sollen. Damit sind, knapp drei Jahre nach dem Totalabzug, bereits wieder 1600 US-Militärs im Zweistromland stationiert. Heraufziehende Ängste daheim, dies könnte den Beginn einer gefährlichen Rutschpartie mitten hinein in den Konfliktsumpf bedeuten, ähnlich wie Anfang der 60er Jahre in Vietnam, versucht der Präsident durch verbale Beruhigungspillen zu zerstreuen. Die Berater hätten keinen Kampfauftrag, betont er, "wir lassen uns nicht hineinziehen in einen neuen Bodenkrieg im Irak ".

Um zu begründen, warum man überhaupt handeln muss, nimmt er Anleihen bei der Doktrin seines Vorgängers auf. Nach Bushs umstrittener Strategie galt es, sich abzeichnende Gefahren durch Präventivschläge auszuschalten, bevor sie akut werden konnten. Obama wiederholt das Motiv. Im Moment, skizziert er die Lage, bedrohe IS zwar nur den Nahen Osten. Lasse man die Miliz aber ungehindert gewähren, könnte sie zu einer Gefahr über die Region hinaus wachsen, zu einer direkten Gefahr auch für die Vereinigten Staaten.

Als er über den Bürgerkrieg in Syrien spricht, vollzieht der bislang so zurückhaltende Stratege einen Schwenk, der wirkt, wie die Wende eines Getriebenen, der sich einer Stimmungswoge anpasst, statt sich gegen sie zu stemmen. Seit IS-Barbaren in der syrischen Wüste den Journalisten James Foley und Steven Sotloff die Köpfe abschnitten, hat sich das Meinungsbild in den USA dramatisch geändert. Nach aktuellen Umfragen plädieren 61 Prozent der Amerikaner für Luftschläge auch in Syrien , wie sie noch Anfang August von einer Dreiviertelmehrheit abgelehnt worden waren. Und vor Monatsfrist hatte Obama im Gespräch mit der "New York Times" noch ausführlich begründet, warum er nie allzu viel hielt von der Bewaffnung der syrischen Opposition. Die moderaten Gegner Baschar al-Assads seien im Kern eine Ansammlung von Ärzten, Bauern und Apothekern, dozierte er kühl. Die Annahme, eine solche Truppe könne es mit der Armee eines Staates aufnehmen - "dieser Gedanke war immer eine Einbildung". So nüchtern Obama damals klang, so eindeutig schließt er jetzt eine stille Kooperation mit Damaskus aus, um die Terrormiliz als gemeinsamen Feind zurückzudrängen. Assads Regime werde die Legitimität, die es verlor, niemals wiedererlangen. Amerika müsse die gemäßigte Opposition stärken; sie sei das beste Gegengewicht zu den Extremisten.

Zehn arabische Staaten wollen sich derweil an der von den USA geschmiedeten Koalition gegen den IS beteiligen. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten sie, sie seien übereingekommen, ihren Teil zum Kampf gegen die Extremisten beizutragen und die Militäraktion zu unterstützen. Zu den Staaten gehören neben Saudi-Arabien und dem Irak auch Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Libanon, der Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate.