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Massenflucht aus Kassen mit Zusatzbeitrag

Massenflucht aus Kassen mit Zusatzbeitrag

Berlin/Saarbrücken. Wegen der Erhebung von Zusatzbeiträgen haben im vergangenen Jahr hunderttausende Versicherte ihre Krankenkasse gewechselt. Allein der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) kehrten innerhalb von zwölf Monaten rund 460 000 Versicherte den Rücken, schreibt die "Leipziger Volkszeitung"

Berlin/Saarbrücken. Wegen der Erhebung von Zusatzbeiträgen haben im vergangenen Jahr hunderttausende Versicherte ihre Krankenkasse gewechselt. Allein der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) kehrten innerhalb von zwölf Monaten rund 460 000 Versicherte den Rücken, schreibt die "Leipziger Volkszeitung". Bei der KKH-Allianz ging die Zahl der Versicherten um 190 000 auf 1,86 Millionen zurück. Beide Kassen verlangen seit Frühjahr 2010 acht Euro pro Monat zusätzlich. Laut WAZ-Mediengruppe hat der extreme Mitgliederschwund bereits zu einem massiven Stellenabbau geführt. Allein bei der DAK hätten 650 Menschen ihren Job verloren.

Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag gewannen zuletzt dagegen deutlich Mitglieder hinzu. Bei der Barmer GEK stieg die Versichertenzahl um 100 000, bei der Techniker Krankenkasse um 339 000 und bei der Knappschaft um 44 800. Auch die AOK Saarland habe von den Zusatzbeiträgen der Konkurrenz "gut profitiert", sagte ein Sprecher gestern auf SZ-Anfrage. Gleiches gilt für die IKK Südwest, die eigenen Angaben zufolge im Saarland und Rheinland-Pfalz 40 000 neue Mitglieder gewinnen konnte. Davon seien allein 12 000 von der DAK gekommen.

Gesundheitsstaatssekretär Daniel Bahr (FDP, Foto: dpa) begrüßte, dass sich die Wahlfreiheit der Versicherten zeige. "Jeder Versicherte sollte genau prüfen, ob sich ein Wechsel für ihn wirklich lohnt", riet er aber.

Trotz Finanzknappheit einzelner Kassen hat der Gesundheitsfonds Geld im Überfluss. So steigen die Reserven bis Ende des Jahres voraussichtlich auf 6,2 Milliarden Euro, teilte das Bundesversicherungsamt mit. 2011 dürften die Einnahmen die Zuweisungen an die Kassen damit um rund 2,7 Milliarden übersteigen. Grund ist die steigende Beschäftigung.

SPD-Experte Karl Lauterbach forderte deshalb, den erst Anfang des Jahres auf 15,5 Prozent erhöhten Beitragssatz wieder zu senken. Er warf Minister Philipp Rösler (FDP) eine bewusste Täuschung der Bürger vor. Röslers Ressort, das Versicherungsamt und die Kassen wollen von sinkenden Beiträgen aber nichts wissen. "Es handelt sich um eine Phantomdiskussion", erklärte das Ministerium. dpa/dapd/mzt