Marx mischt ganz oben mit

Es sind aufregende Zeiten für Kardinal Reinhard Marx. Vor zehn Tagen erst durfte er seinen 60.

Geburtstag feiern, ab heute vertritt er Europa bei den Beratungen über eine große Reform der Kirchenführung. Marx, von 2002 bis 2008 Bischof des Bistums Trier, hat viel vor: "Es darf nicht sein, dass unsere Gläubigen mit dem Vatikan in erster Linie Negatives verbinden. Wir müssen wieder stolz sein können auf unsere römische Zentrale!", beschrieb er sein Ziel für die Arbeit der Reformgruppe. Um die festgefahrene Vatikanbürokratie neu zu strukturieren, sind durchsetzungsfähige Kardinäle nötig - genau diese Eigenschaft wird Marx zugeschrieben. Der Westfale aus Geseke zieht seine Vorhaben in der Regel geradlinig durch. Als Marx 2008 nach sechs Jahren als Bischof von Trier das Erzbistum München und Freising übernahm, fackelte er dort nicht lange: Er stieß große Reformen an, legte Gemeinden zusammen und veränderte die Verwaltung. Allerdings unternahm Marx viele der Schritte ohne Absprachen und verprellte so binnen kurzer Zeit viele Gläubige. Die rebellierten, und Marx ruderte bei manchen seiner Entscheidungen wieder zurück, um dann in Absprache mit den Betroffenen einen zweiten Anlauf zu unternehmen. Eine womöglich lehrreiche Erfahrung, Marx ist laut Berichten aus dem Bistum kommunikativer geworden.

Der in Paderborn und Paris ausgebildete Theologe ist seit 2012 Präsident aller Bischofskonferenzen der EU. Und im nächsten Jahr hat er gute Chancen, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zu werden. Marx habe in seiner Jugend "außergewöhnliche Fähigkeiten" gezeigt, berichtete sein Dorfpfarrer einmal. Er sei "ein geborener Priester und Bischof". Viel beachtet wurde sein in Anlehnung an den Namensvetter Karl Marx "Das Kapital" benanntes Buch, in dem er wachsende Armut in der Welt und Neoliberalismus beklagt.

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