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"Man muss die Ergebnisse differenziert bewerten"

"Man muss die Ergebnisse differenziert bewerten"

Herr Kessler, der jüngste Bildungsmonitor bescheinigt fast allen Bundesländern Fortschritte. Das Saarland liegt dabei allenfalls im unteren Mittelfeld - und dazu noch drei Plätze tiefer als 2004. Wie erklären Sie sich das?Kessler: Grundsätzlich muss man sich bei dem Monitoring die einzelnen Handlungsfelder genauer ansehen und diese differenziert bewerten

Herr Kessler, der jüngste Bildungsmonitor bescheinigt fast allen Bundesländern Fortschritte. Das Saarland liegt dabei allenfalls im unteren Mittelfeld - und dazu noch drei Plätze tiefer als 2004. Wie erklären Sie sich das?Kessler: Grundsätzlich muss man sich bei dem Monitoring die einzelnen Handlungsfelder genauer ansehen und diese differenziert bewerten. Wir liegen ja nicht überall hinten. Die Bildungsarmut, vor allem die Schulabbrecherquote, ist hier sehr gering, da liegen wir im Ranking ganz weit oben, bei der Forschungsorientierung ebenfalls. Bei der Förderinfrastruktur, etwa der Ganztagsbetreuung, werden wir uns durch bereits eingeleitete Maßnahmen in den kommenden Jahren weiter verbessern. Die Gesamtaddition der Handlungsfelder sagt also wenig über die Leistung der jetzigen Landesregierung aus, zumal ja die Daten aus 2009 stammen.

Moniert wird im Saarland unter anderem die sogenannte "Input-Effizienz". Dazu gehören etwa Investitionsquoten, Sachmittelausstattung. Wie können Sie diese Bereiche noch verbessern?

Kessler: Die Investitionsquote - die Mittel also, die das Saarland aufbringt, um die Bildung insgesamt zu verbessern - haben wir seit Regierungsübernahme 2009 von einem Haushaltsanteil von etwa 22/23 Prozent auf heute 24 bis 25 Prozent erhöht. Das ist schon eine deutliche Steigerung der Investitionsquote.

Besonders bedenklich ist hierzulande die Schulabbrecherquote unter Ausländern. Da liegt das Saarland auf dem zweitletzten Platz. Woran liegt das?

Kessler: Es ist richtig, dass die Migrantenkinder noch verstärkt in den Blick genommen werden müssen. Deshalb habe ich auch seit 2009 den Bereich der Sprachförderung deutlich ausgebaut. Denn der Zugang zur Bildung erfolgt über die Sprachkompetenz. An allen Grundschulen im Saarland findet zusätzliche Sprachförderung statt und darüber hinaus auch an allgemeinbildenden und weiterführenden Schulen.

Beim Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung liegt das Saarland unter den letzten drei Bundesländern. Wie kann dieses Verhältnis verändert werden?

Kessler: Da haben wir in der Tat einen Nachholbedarf. Diesen Anteil können wir nur steigern, indem wir mehr Möglichkeiten bieten, zur Hochschulreife zu kommen. Deshalb haben wir das Zwei-Säulen-Modell errichtet, durch das wir neben dem G-8-Gymnasium auch über die Gemeinschaftsschule einen verstärkten Zugang zum Abitur eröffnen. Und wir haben an den Berufsbildungszentren berufliche Gymnasien eingerichtet, über die man eine Hochschul-Zugangsberechtigung erwerben kann.