Maas strandet in Mali: Pannenserie bei Regierungsflügen reißt nicht ab

Maas strandet in Mali : Pannenserie bei Regierungsflügen reißt nicht ab

Irgendwann erwischt es jeden: Nun ist auch Vielflieger Heiko Maas mit einer Maschine der Flugbereitschaft gestrandet – und zwar in Mali.

(dpa/SZ) Jetzt hat es also auch Heiko Maas erwischt: Bislang blieb der Vielflieger von den zahlreichen Pannen an den Regierungsflugzeugen verschont. Nun strandete der Außenminister in Mali – nachdem er in einem Jahr umgerechnet sieben Mal ohne Zwischenfall um die Welt gereist ist. Zum Abschluss seiner fünftägigen Westafrika-Reise blieb seine Mittelstreckenmaschine vom Typ A319 wegen eines Hydraulikschadens liegen. Der für Donnerstagabend geplante Flug von der malischen Hauptstadt Bamako zurück nach Berlin fiel aus.

Der Außenminister war seit Sonntag in Westafrika unterwegs und hatte vor Mali das Nachbarland Burkina Faso und Sierra Leone besucht. Mit ihm reisten drei Bundestagsabgeordnete sowie knapp 40 Mitarbeiter, Journalisten und Sicherheitskräfte. Die Planungsänderung verkündete der Chef der Delegation am Abend auf einer Kulturveranstaltung in Bamako, nach der Maas eigentlich zum Flughafen fahren wollte. Stattdessen ging es zurück ins Hotel.

Die Flugbereitschaft der Bundeswehr setzt die A319 für Kurz- und Mittelstrecken ein. Die Maschine hat eine Reichweite von 7000 Kilometern. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, an der Maschine sei ein Hydraulikleck in einer Größenordnung festgestellt worden, die „außerhalb der Toleranzgrenze“ liege.

Maas musste wegen der Panne einen wichtigen privaten Termin zu Hause sausen lassen: Der Saarländer konnte nicht mit seinem 17-jährigen Sohn Geburtstag feiern. Die Verlängerung seiner Afrika-Reise um einen Tag nutzte er unter anderem für ein Gespräch mit dem Kommandeur der EU-Ausbildungsmission EUTM, dem Bundeswehrgeneral Peter Mirow. Den Flugausfall nahm der SPD-Politiker gelassen: „Ich bin jetzt mehr als 300 000 Kilometer pannenfrei geflogen“, sagte er. Irgendwann erwische es jeden.

Was deutsche Spitzenpolitiker anbelangt, ist Maas’ Aussage durchaus wörtlich zu nehmen: In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Pannen bei der Flugbereitschaft. Die meisten Schlagzeilen machte Ende November der abgebrochene Flug von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie war mit der A340 „Konrad Adenauer“ auf dem Weg zum G20-Gipfel in Buenos Aires, als sich eine Stunde nach dem Start der Flugkapitän meldete: Wegen eines technischen Defekts müsse man zurückkehren nach Köln, zum Heimatstandort der Flugbereitschaft der Luftwaffe. Ein defektes Bauteil hatte gleich zwei Funksysteme lahmgelegt. Letztlich musste Merkel Linie nach Argentinien fliegen – und kam zwölf Stunden zu spät zum Gipfel.

Die Langstreckenflieger waren bisher am häufigsten von den Pannen betroffen. Die für mittlere und kurze Strecken eingesetzten beiden A319 sind dagegen weniger anfällig. Bei ihren 370 Flügen seit 2016 habe es nur einen Ausfall gegeben, sagte Jens Flosdorff, der Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Freitag in Berlin. „Das ist jetzt der zweite“, sagte er über den Maas-Flieger. Insgesamt liege die Zuverlässigkeit der 14 Maschinen der Flugbereitschaft bei 98 Prozent – ähnlich wie bei größeren Linienfluggesellschaften.

Im Januar 2019 war es ein Langstreckenflugzeug, das streikte und Entwicklungsminister Gerd Müller auf die Palme brachte. Der CSU-Politiker blieb für längere Zeit in Sambia hängen, musste sogar einen Besuch in Namibia absagen. Gleich zwei Defekte an einer Maschine der Flugbereitschaft ließen seine Dienstreise im südlichen Afrika zu einer kleinen Odyssee werden. Der Minister schäumte: Die wiederholten technischen Probleme mit den Flugzeugen der Bundesregierung hätten eine „enorm negative Symbolwirkung für das High-Tech-Land Deutschland“ und schadeten der Marke „Made in Germany“. Ähnlich äußerte sich nach dem neuerlichen Maas-Zwischenfall nun FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Das ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten und schadet unserer Reputation weltweit erheblich“, sagte sie.

Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier erwischte es innerhalb weniger Monate gleich dreimal: Im Juni 2018 musste der Bundespräsident aufgrund eines Hydraulikschadens am Airbus auf eine Ersatzmaschine umsteigen, um nach Weißrussland zu kommen. Im November saß er dann wegen eines Triebwerksdefekts an der „Adenauer“ stundenlang in Südafrika fest. Und zu guter Letzt erwischte es den Bundespräsidenten Ende Januar 2019 in Äthiopien: Wegen eines Druckluftproblems verschob sich sein Start in Addis Abeba um drei Stunden.

Zwischendurch knabberten im Oktober 2018 Nagetiere bei einem Zwischenstopp in Indonesien wichtige Kabel der „Adenauer“ an. Der Leidtragende diesmal: Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD), der auch bei Merkels Pannenflug im November mit dabei war.

Derzeit gehören 14 Flugzeuge der Hersteller Airbus und Bombardier zur Flugbereitschaft. Anfang Februar teilte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit, dass sie die Beschaffung von drei neuen Langstreckenmaschinen in Auftrag gegeben hat: „Das ist auch nötig, ich glaube, das merken alle“, sagte die Ministerin. Sie selbst strandete im Dezember 2016 aufgrund eines Computerproblems bei ihrem A340 in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Damals wollte von der Leyen eigentlich nach Mali.

Der Pannenflug von Kanzlerin Angela Merkel machte im vergangenen November die meisten Schlagzeilen. Sie kam zu spät zum G20-Gipfel. Foto: dpa/Michael Kappeler
Das jüngste Opfer der Pannenserie der Flugbereitschaft: Außenminister Heiko Maas strandete am Donnerstag in Mali. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte die Anschaffung von drei neuen Fliegern an. Sie selbst erlebte 2016 einen Flugausfall. Foto: dpa/Bernd Von Jutrczenka
Entwicklungsminister Gerd Müller strandete im Januar in Sambia – und schäumte vor Wut über die Pannenserie. Foto: Ute Grabowsky / Photothek/BMZ /picture alliance/Ute Grabowsky / Photothek
War zuletzt zweimal von Ausfällen betroffen: Olaf Scholz saß mit Merkel im kaputten Flieger zum G20-Gipfel. Davor strandete er in Indonesien. Foto: Georg Ismar/dpa/Georg Ismar

Genau von dort wollte Maas am Freitag wegkommen. Die Flugbereitschaft setzte am Morgen einen Ersatzflieger in Bewegung, um den Außenminister aus Afrika abzuholen: Die deutlich größere A340 „Theodor Heuss“, die normalerweise für Langstreckenflüge vorgesehen ist, landete am Nachmittag in Mali. Die Landung in Berlin war kurz nach Mitternacht geplant – mit gut 20 Stunden Verspätung.

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