Lindners Abgang verschärft die Krise der FDP

Lindners Abgang verschärft die Krise der FDP

Berlin/Saarbrücken. Mit seinem überraschenden Rücktritt hat FDP-Generalsekretär Christian Lindner die Liberalen geschockt und die Krise seiner Partei verschärft. Der Abgang ohne nähere Begründung heizte auch die Kritik am schwarz-gelben Bündnis an. Lindner selbst erklärte lediglich, er wolle in der Partei "eine neue Dynamik" ermöglichen

Berlin/Saarbrücken. Mit seinem überraschenden Rücktritt hat FDP-Generalsekretär Christian Lindner die Liberalen geschockt und die Krise seiner Partei verschärft. Der Abgang ohne nähere Begründung heizte auch die Kritik am schwarz-gelben Bündnis an. Lindner selbst erklärte lediglich, er wolle in der Partei "eine neue Dynamik" ermöglichen. In den vergangenen Tagen hatte sich der interne Streit um den Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm zugespitzt. Zudem vermuten FDP-Kreise ein Zerwürfnis des Partei-Managers mit dem Vorsitzenden Philipp Rösler.Dieser ging bereits wenige Stunden nach Lindners Rücktritt in die Offensive und präsentierte den bisherigen Schatzmeister Patrick Döring als Nachfolger. Der 38-Jährige sei ein "programmatischer Kopf", erklärte Rösler. Zuvor hatten erste FDP-Politiker auch Röslers Spitzenposition in Frage gestellt. Der Altliberale Gerhart Baum forderte eine Neuwahl des gesamten Präsidiums. Auch der Rheinland-Pfälzer Hans-Artur Bauckhage plädierte für ein "großes Reinemachen" an der Parteispitze. Während die liberale Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Rücktritt Lindners als "Schock" bezeichnete, sprach der Chef der Saar-Liberalen von einer existenziellen Krise. "Die Partei ist in einer sehr schwierigen Situation", sagte Oliver Luksic der SZ. In der heiß umkämpften Euro-Befragung erwartet er "ein sehr knappes Ergebnis".

Die Opposition reagierte mit Spott auf Lindners Entscheidung. "Frau Merkel hat einen Koalitionspartner mit Schwindsucht, das riecht nach Neuwahlen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Sie rechne damit, dass Rösler noch vor der Wahl in Schleswig-Holstein im Mai 2012 aufgeben werde. Auch die Linke bewertete Lindners Rücktritt als "Anfang vom Ende Philipp Röslers als Chef der FDP". Die Grünen sprachen von einer "schwindsüchtigen" Partei, der Lindner mit seinem Abgang noch einen Fußtritt versetzt habe. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) blieb dagegen betont gelassen. Sie sei zuversichtlich, dass die Koalition "völlig unbeschadet" weiterarbeiten könne, sagte Merkel. , Seite A 4: Meinung dapd/dpa/red

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