Lieber sichere Arbeit statt höhere Löhne

Saarbrücken/Frankfurt. Ein Vorstoß aus den Reihen der Gewerkschaften sorgt im Saarland für reichlich Wirbel. Nicht nur bei den Arbeitgebern, sondern auch in den Einzelgewerkschaften selbst

Saarbrücken/Frankfurt. Ein Vorstoß aus den Reihen der Gewerkschaften sorgt im Saarland für reichlich Wirbel. Nicht nur bei den Arbeitgebern, sondern auch in den Einzelgewerkschaften selbst. Vor dem Hintergrund ständig wachsender Firmenzusammenbrüche, Insolvenzen und einer daraus folgenden Welle an Personal-Abbau, ist der Chef einer der mächtigsten Gewerkschaften überhaupt, IG-Metall-Chef Berthold Huber (Foto: ddp), in die Offensive gegangen. Er möchte der anstehenden Tarifrunde für die insgesamt rund 3,5 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie einen völlig neuen Schwerpunkt geben.

Die Gewerkschaft werde diesmal keine Lohnforderung im üblichen Sinne erheben. Es soll in den Verhandlungen nicht zuallererst um eine Lohnerhöhung gehen. Erst recht nicht um eine bestimmte Prozentzahl. Huber will vielmehr die Sicherung von Beschäftigung durchsetzen, betriebsbedingte Kündigungen verhindern und die Übernahme von Auszubildenden erreichen.

Dies wohl auch vor dem Hintergrund, dass die Metall- und Elektroindustrie besonders heftig von der Wirtschaftskrise getroffen worden ist. Doch Hubers Vorstoß wird sicherlich auch Signalcharakter für das Verhalten anderer Gewerkschaften haben. Deswegen sind lange interne Diskussionen über die Vorschläge von Huber vorprogrammiert. Zumal der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske (Foto: ddp) bereits jetzt eher die Forderung nach Lohnerhöhungen in den Vordergrund stellt. Das erklärt sich aber auch damit, dass etwa der Handel, den Bsirske mit vertritt, vergleichsweise noch in einer komfortableren Situation ist, da die Verbraucher trotz Wirtschaftskrise weiter konsumieren.

Am Ende der internen Diskussion über den Kurs der Gewerkschaften in der Tarifrunde werde es eine gemeinsame Haltung geben, prognostiziert Saar-Verdi-Chef Alfred Staudt. Er selbst sieht derzeit aber auch noch viel Diskussionsbedarf im Gewerkschaftslager. Und signalisiert, dass für Verdi Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen gegenwärtig "eine hohe Priorität haben, aber nicht die höchste". Denn es gebe lohnpolitisch nach mageren Jahren noch einiges aufzuholen.

Hans-Peter Kurtz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken, bewegt sich dagegen bereits im Gleichklang mit Huber. Auf Vorstandsebene der Gewerkschaft sei der Vorstoß bereits abgesegnet. "Wir müssen jetzt Instrumente finden, die dazu beitragen, dass die Menschen ihre Arbeitsplätze behalten", so Kurtz. Zumal der Gewerkschafter damit rechnet, dass sich die Lage im Saarland 2010 noch einmal verschlimmert, da die Kurzarbeit in zahlreichen Betrieben auslaufe und verstärkt Entlassungen drohten. Allerdings, so Kurtz, "rechne ich auch nicht mehr mit neuen Insolvenzen, sondern mit Lösungen wie beispielsweise auch beim insolventen Unternehmen Halberg Guss".

Nach Ansicht von Saar-DGB-Chef Eugen Roth hat Berthold Huber mit seinem Vorstoß noch einen schweren Weg vor sich. "Zu den internen Debatten in den Gremien kommen auch mächtige Betriebsräte mit riesigem Gewicht", erklärte Roth auf Anfrage unserer Zeitung. Er selbst hält Hubers Herangehensweise für sinnvoll. Dies könne in der Krise helfen. Doch solle niemand glauben, die Gewerkschaften würden jetzt eine Strategie dauerhaften Lohnverzichts einschlagen. Zumal "Lohnverzicht nicht vor Entlassung schützt", betonte Roth. In besseren Zeiten nach der Krise müssten auch wieder höhere Lohnabschlüsse möglich sein, erklärte Roth.

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