Letzter Auftritt mit Babybauch

Berlin. Ilse Aigner freut sich, dass die Presse so zahlreich erschienen ist. In der Tat mutet das Interesse für eine simple Informationskampagne der Verbraucherschutzministerin zum Thema "Gesund ins Leben. Ernährung in der Schwangerschaft" erstaunlich an

 Zu Fuß mit Babybauch: Familienministerin Kristina Schröder nach ihrer letzten Pressekonferenz vor dem Mutterschutz. Foto: dpa

Zu Fuß mit Babybauch: Familienministerin Kristina Schröder nach ihrer letzten Pressekonferenz vor dem Mutterschutz. Foto: dpa

Berlin. Ilse Aigner freut sich, dass die Presse so zahlreich erschienen ist. In der Tat mutet das Interesse für eine simple Informationskampagne der Verbraucherschutzministerin zum Thema "Gesund ins Leben. Ernährung in der Schwangerschaft" erstaunlich an. Fast zehn Kamerateams, genauso viele Fotografen und noch mal 30 schreibende Journalisten bringt selbst ein mittelstarker Staatsbesuch bei Angela Merkel nicht auf. Obwohl es natürlich eine gute Sache ist, dass es für werdende Mütter jetzt verbindliche Ernährungstipps gibt, gemeinsam von Wissenschaftlern erarbeitet und in einer Broschüre veröffentlicht. Ein Novum in ganz Europa, sagt Aigner stolz.Die Objektive aber sind auf die Frau neben ihr gerichtet, die wie immer im dunklen Business-Hosenanzug herumläuft. Besser gesagt watschelt, denn darunter trägt sie einen ausgewachsenen Acht-Monatsbauch, den eine fliederfarbene, weiß bestickte Umstandsbluse noch betont. Kristina Schröder hat ihren letzten öffentlichen Auftritt, bevor sie in die Mutterschaft geht, und das ist ein Novum für Deutschland. Noch nie ist eine Ministerin hierzulande im Amt schwanger geworden. Noch nie hat ein Regierungsmitglied wegen eines Babys eine Auszeit genommen.

"Es ist keine politische Leistung, schwanger zu werden" hat die 33-jährige CDU-Politikerin immer wieder gesagt. Sie hat das Kinderkriegen von Anfang an als Privatsache behandelt, wenn man einmal von der Verkündung der Tatsache an sich in der "Bild" absieht. Aber seitdem hat sie ihren Bauch nicht mehr groß gezeigt und nicht über ihn geredet. Sie ist möglichst selbstverständlich mit ihren anderen Umständen umgegangen. Darin steckte auch Abgrenzung der neuen Familienministerin zu ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen, die sieben Kinder mitbrachte in ihrem Lebenslauf. Schröder, die bei ihrer Ernennung noch Köhler hieß, gingen die Vergleiche auf die Nerven, auch der stumme Vorwurf, ob so ein junges, lediges Ding eine gute Familienministerin sein könne. Dann hat sie ohne viel Aufhebens Ole Schröder geheiratet, den Innen-Staatssekretär, und dann kam die Schwangerschaft.

Die nahende Geburt behandelt sie erst recht als Privatsache, obwohl in so einem Ereignis für eine Politikerin, die den Bürgern nicht sonderlich bekannt ist, doch eine gigantische Verführung liegt. Man stelle sich nur vor, was Karl-Theodor zu Guttenberg - wäre er eine Frau - daraus gemacht hätte. Der errechnete Termin der Niederkunft wird nicht verraten, er dürfte Mitte Juli liegen. Wo sie entbinden wird, ist geheim. Auch wird es das obligatorische Foto aus dem Krankenhaus nach der Geburt aller Voraussicht nach nicht geben, sagt ihr Sprecher. Wahrscheinlich kommt stattdessen im Sommer nur eine dürre Mitteilung, dass ein oder eine Schröder mehr auf deutschem Boden angekommen ist. Das Geschlecht des Nachwuchses ist natürlich auch vertraulich. Acht Wochen gesetzlichen Mutterschutz werde sie nach der Niederkunft in Anspruch nehmen, sagt die Ministerin nur, und dann wieder ihr Ressort übernehmen.

 Zu Fuß mit Babybauch: Familienministerin Kristina Schröder nach ihrer letzten Pressekonferenz vor dem Mutterschutz. Foto: dpa

Zu Fuß mit Babybauch: Familienministerin Kristina Schröder nach ihrer letzten Pressekonferenz vor dem Mutterschutz. Foto: dpa

Die Journalisten fragen nach persönlichen Erfahrungen und Erwartungen, die Kameras lauern, ob sie sich über den Bauch streicht. Aber Schröder redet nur allgemein darüber, wie notwendig es ist, dass sich Schwangere über gesunde Ernährung informieren und wie gut es ist, dass es jetzt einen Ratgeber dazu gibt. Ihre Hände bleiben auf dem Rednerpult. Der Veranstaltungsleiter wünscht ihr zum Schluss "toi, toi, toi" und Ilse Aigner umarmt sie kurz. "Danke", sagt die Familienministerin und entschwindet lächelnd in ihren neuen Lebensabschnitt.

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