Kritik an "Kriegs-Tourismus" der Guttenbergs in Afghanistan

Kundus/Berlin. Es war der siebte Afghanistan-Besuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, Foto: dpa) und zugleich sein umstrittenster: Der 39-Jährige trat die Reise zusammen mit seiner Ehefrau Stephanie an. Auch zwei Ministerpräsidenten sowie der Fernseh-Moderator Johannes B. Kerner gehörten zur Delegation

Kundus/Berlin. Es war der siebte Afghanistan-Besuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, Foto: dpa) und zugleich sein umstrittenster: Der 39-Jährige trat die Reise zusammen mit seiner Ehefrau Stephanie an. Auch zwei Ministerpräsidenten sowie der Fernseh-Moderator Johannes B. Kerner gehörten zur Delegation. Nach Angaben des Ministeriums traf Guttenberg in Masar-i-Scharif und Kundus mit Soldaten zusammen, um "authentische Erfahrungen" zu hören. Der Minister habe "persönliche Weihnachtsgrüße" überbracht. Stephanie zu Guttenberg informierte sich derweil über die Einsatz-Realitäten von Soldatinnen. Die Geste der Verbundenheit sei bei den Soldaten "gut angekommen", hieß es.

SPD, Grüne und Linke äußerten scharfe Kritik an der Reise. Dies sei "inszenierter Kriegs-Tourismus". SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Art und Organisation des Truppenbesuchs "absolut unangemessen". Mit Blick auf die Kult-Blondine Daniela Katzenberger fügte Gabriel hinzu: "Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch. Da hätten wenigstens die Soldaten was von." Linke-Chef Klaus Ernst sprach von einem "unglaublichen Vorgang". Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte, Guttenberg nutze die vorweihnachtliche Kulisse "für plumpe Eigen-PR". Sogar bei den Liberalen wurden kritische Stimmen laut. Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Elke Hoff, mahnte den Minister "zu größerer Zurückhaltung".

Guttenberg selbst verteidigte die Reise. "Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen", erklärte er vor seinem Rückflug. Der Minister dankte TV-Moderator Kerner, der vor Ort eine Talkshow über den Einsatz der Bundeswehr produzierte. Damit werde "ein weiteres Stück Realität des Einsatzes der Bundeswehr" für die deutsche Bevölkerung sichtbar. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, lobte die Idee des gemeinsamen Truppenbesuchs. Die Soldaten freuten sich, dass "der Minister nach Afghanistan kommt und deutlich macht, auch seine Familie steht dahinter". Stephanie zu Guttenberg sagte, sie wolle sich durch die angespannte Sicherheitslage nicht davon abhalten lassen, "als Bürger dieses Landes Danke zu sagen". , Meinung dapd/dpa/afp

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