1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Krise in Italien verängstigt Europa

Krise in Italien verängstigt Europa

Rom/Athen. Die innenpolitischen Wirren nach der zögerlichen Rückzugs-Ankündigung des umstrittenen Premiers Silvio Berlusconi machen Italien zum Spielball der Finanzmärkte. Zugleich schüren sie in Europa Ängste vor einer dramatischen Ausweitung der Schuldenkrise

Rom/Athen. Die innenpolitischen Wirren nach der zögerlichen Rückzugs-Ankündigung des umstrittenen Premiers Silvio Berlusconi machen Italien zum Spielball der Finanzmärkte. Zugleich schüren sie in Europa Ängste vor einer dramatischen Ausweitung der Schuldenkrise. Die Zinsen für Staatsanleihen Italiens stiegen wegen entsprechender Risikoaufschläge gestern auf deutlich mehr als sieben Prozent - ein Niveau, bei dem die weitaus kleineren Volkswirtschaften von Griechenland, Portugal und Irland bereits Milliarden-Hilfen brauchten. Italien ist - gemessen an der Wirtschaftsleistung - nach Griechenland das Mitglied mit der höchsten Staatsverschuldung. Inzwischen überwachen die Europäische Union und der IWF die Sanierung des Landes.Zweifel an einem raschen Schuldenabbau in Italien drückten auch den deutschen Aktien-Index Dax deutlich ins Minus. Er fiel um 2,21 Prozent auf 5829 Punkte. Als Reaktion auf diese Zuspitzung will das römische Parlament ein Gesetz, das für Reformen und Wachstum sorgen soll, schon bis kommenden Montag beschließen. Berlusconi hatte am Dienstag seinen Rückzug vom Amt angekündigt, nachdem er die absolute Mehrheit im Parlament verloren hatte. Er will sein Amt aber erst aufgeben, wenn das Sparpaket beschlossen ist.

Der 86-jährige Staatspräsident Giorgio Napolitano könnte danach das Parlament auflösen mit anschließenden Neuwahlen. Er könnte aber auch einen Kandidaten mit der Regierungsbildung beauftragen. Spekuliert wird hier über einen Wirtschaftsfachmann wie den parteilosen früheren EU-Binnenmarkt- und Wettbewerbskommissar Mario Monti. Berlusconi befürwortet Neuwahlen und wünscht sich Angelino Alfano, den Chef seiner Partei PdL (Volk der Freiheit), als Nachfolger.

In Griechenland kam derweil auch bis gestern Abend keine neue Regierung zustande. Die regierenden Sozialisten konnten sich mit den Konservativen nicht auf den Ministerpräsidenten für eine gemeinsame Notregierung verständigen. Heute soll weiter beraten werden. Der sozialistische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte zuvor seinen Rücktritt angekündigt, um den Weg für eine "Regierung der nationalen Einheit" in Athen freizumachen. , Seite A 4: Meinung dpa

Foto: Monteforte/afp