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Kriminalitätsstatistik: Weniger Diebstähle, mehr Drogendelikte und Angriffe auf Polizisten

Kriminalitätsstatistik 2018 : Zahl der Einbrüche geht stark zurück

Innenminister Horst Seehofer hat die neue Kriminalstatistik vorgelegt. Es gibt weniger Diebstähle, aber mehr Drogendelikte und mehr Angriffe auf Polizisten.

Berlin Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das gilt ebenso für die neue Polizeiliche Kriminalstatistik, die am gestrigen Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. So sank 2018 die Zahl der Einbrüche und Diebstähle weiter deutlich. Auf der anderen Seite haben Rauschgiftdelikte und vor allem Angriffe auf Polizisten stark zugenommen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Statistik:

Wie sicher ist Deutschland?

Glaubt man Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dann gilt: „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt.“ Laut Kriminalstatistik lag die Zahl der erfassten Straftaten im letzten Jahr bei 5,5 Millionen, 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine vergleichbare Höhe wurde letztmalig 1992 registriert. Auch die Aufklärungsquote stieg leicht auf 57,7 Prozent an (2017: 57,1 Prozent). Nun gelte es, so Seehofer, daraus einen nachhaltigen Trend zu machen. Unter anderem durch mehr Personal bei der Polizei und eine bessere Ausstattung. „Da haben wir noch nicht die Ziele erreicht“, räumte Seehofer ein.

Bei welchen Delikten gab es einen besonders starken Rückgang?

Vor allem beim Wohnungseinbruch. 97 504 Fälle wurden angezeigt, macht im Vergleich zu 2017 ein Minus von 16,3 Prozent. Freilich verharrte die Aufklärungsquote bei nur rund 18 Prozent. Prävention, Aufklärung der Bürger und die staatliche Förderung der Wohnungssicherung hätten sich jedoch ausgezahlt, betonte Seehofer. Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen bei diesem Delikt betrug 7949 (minus 8,4 Prozent), die der nichtdeutschen 5078 (minus 16,9 Prozent). Einen klaren Rückgang verzeichnet die Statistik auch bei der Diebstahlskriminalität: 1,9 Millionen Taten wurden erfasst, macht 7,5 Prozent weniger.

Wie ist die Lage bei den Gewalttaten?

Auch hier ist ein leicht positiver Trend zu erkennen: Die Gesamtzahl sank 2018 um 1,9 Prozent auf 185 377 – es gab 107 972 deutsche Tatverdächtige und 67 787 nichtdeutsche. Bei Mord und Totschlag verzeichnet die Statistik eine leichte Zunahme auf 2471 Fälle, bei Vergewaltigung und schweren sexuellen Übergriffen hingegen eine deutliche Abnahme um 18,2 Prozent auf 9234 Fälle. 4945 Tatverdächtige waren deutsche, 3102 nicht. Ungefähr gleich blieben im vergangenen Jahr die Fälle der gefährlichen und schweren Körperverletzungen mit 136 727.

Bei welchen Taten lag ein besonders starker Anstieg vor?

Am meisten beim Widerstand gegen und Angriffe auf Polizisten. 2018 gab es 34 168 Fälle, 39,9 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Allerdings wird dieses Delikt nach einer Gesetzesänderung neuerdings präziser erfasst. Seehofer sprach von einem Phänomen – 86 Prozent der Bürger würden der Polizei vertrauen, auf der anderen Seite sei die Gewalt gegen die Beamten „erschreckend ungehemmt“ geworden. „Der Alkohol ist dafür keine Entschuldigung.“ Der Minister forderte einen neuen gesellschaftlichen Konsens, „dass man gegenüber Polizisten keinen Widerstand zu leisten hat“.

Wo gab es außerdem Zuwächse?

Bei den Rauchgiftdelikten. Mit 350 662 Delikten betrug der Anstieg 6,1 Prozent. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern wurden 6,7 Prozent mehr Fälle verzeichnet, insgesamt also 12 321 Taten. Seehofer hob zudem hervor, dass das Internet von immer mehr Kriminellen für Betrug, bei der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie sowie als Plattform für den Rauschgifthandel genutzt werde. Der Minister will diesbezüglich Änderungen bei den Strafen angehen. Die Sicherheitsbehörden müssten zudem auf dem digitalen Sektor weiter modernisiert werden, so BKA-Chef Holger Münch.

Wie steht es um das Sicherheitsgefühl der Deutschen?

Es ist durchwachsen. Obwohl laut einer Erhebung des Bundeskriminalamtes weniger als ein Prozent der Bevölkerung von schweren Straftaten wie Raub, Wohnungseinbruch oder Kfz-Diebstahl betroffen ist. Frauen fühlen sich demnach oft unsicherer als Männer.