Kriminaliätsstatistik: Weniger Taten, aber mehr Angst

Weniger Delikte, mehr Sorgen : In Deutschland wächst Angst vor Kriminalität

Die gefühlte Kriminalität in Deutschland steigt, die tatsächliche sinkt. Das zeigen eine aktuelle Studie und die Kriminalstatistik.

Obwohl die offizielle Zahl der Straftaten sinkt, haben immer mehr Menschen in Deutschland Angst vor Kriminalität. Mehr als jeder Fünfte fühlte sich 2017 nachts beim Schritt vor die eigene Haustür unsicher – fünf Prozentpunkte mehr als fünf Jahre zuvor. Das geht aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht (MPI) und des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Hans-Joachim Grote (CDU) und BKA-Chef Holger Münch präsentierten die Studie am Dienstag in Berlin. Sie soll künftig alle zwei Jahre erscheinen.

Insbesondere Frauen, Menschen mittleren Alters und Bewohner mittelgroßer Städte sowie Ostdeutsche fühlen sich demnach unsicher. Fast neun Prozent der Menschen halten es für ziemlich oder sehr wahrscheinlich, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Zugleich ist aber weniger als ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland nach Angaben Seehofers im Befragungsjahr 2017 Opfer schwerer Straftaten wie Raub, Kfz-Diebstahl oder vollendeter Wohnungseinbruch geworden. „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt“, sagte er.

Dabei verwies er auf die bundesweite Kriminalstatistik für das Jahr 2018, die er am Dienstag vorstellte. Die liefere „erfreuliche Zahlen“. Die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten sei 2018 – mit Ausnahme rein ausländerrechtlicher Verstöße – um knapp 200 000 auf knapp 5,4 Millionen gesunken. Dies sei „der niedrigste Wert seit Jahrzehnten“. Die Aufklärungsquote sei leicht auf 56,5 Prozent gestiegen und habe damit „einen neuen Höchststand“ erreicht.

In einigen Deliktbereichen verzeichnete die Polizei 2018 entgegen dem Trend eine deutliche Zunahme – so etwa bei der Rauschgiftkriminalität, bei Straftaten gegen das Waffenrecht und bei der Verbreitung pornografischer Schriften – hier geht es hauptsächlich um Kinderpornografie. Seehofer verwies darauf, dass in diesen Bereichen vor allem das Internet die Straftaten erleichtere. Überdurchschnittlich gingen die Straftaten beim Diebstahl zurück: Ihre Zahl sank um 7,5 Prozent auf rund 1,94 Millionen Fälle. Die Zahl von Wohnungseinbrüchen und Taschendiebstählen ging noch deutlicher zurück.

Die bundesweiten Trends der Kriminalität sind auch im Saarland erkennbar – aber nicht durchweg. Die Ende vergangener Woche vorgelegte regionale Kriminalstatistik weist für das Saarland 70 873 registrierte Straftaten im vergangenen Jahr auf. Das waren fast genauso viele wie ein Jahr zuvor, aber über 6000 weniger als 2016. Während die Gewaltkriminalität um sieben Prozent auf 2497 Fälle zurückging, stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche gegen den Bundestrend um fast ein Viertel auf 1716.

Mehr von Saarbrücker Zeitung