Krebs durch Buntstifte

Brüssel. Die Buntstifte verheißen einen ganz neuen Spaß. Kinder sollen damit Luftballons bemalen können. Die so genannten Loony Ballony blieben jedoch nicht lange im Regal. Deutschen Prüfern fiel ein unangenehmer Geruch auf, die Analysen bestätigten ihren Verdacht: Das Produkt aus China enthielt aromatisierte Kohlenwasserstoffe in Mengen, die weit über dem zulässigen Grenzwert lagen

 Vor diesen giftigen Buntstiften warnt die EU. Foto: EU/rapex

Vor diesen giftigen Buntstiften warnt die EU. Foto: EU/rapex

Brüssel. Die Buntstifte verheißen einen ganz neuen Spaß. Kinder sollen damit Luftballons bemalen können. Die so genannten Loony Ballony blieben jedoch nicht lange im Regal. Deutschen Prüfern fiel ein unangenehmer Geruch auf, die Analysen bestätigten ihren Verdacht: Das Produkt aus China enthielt aromatisierte Kohlenwasserstoffe in Mengen, die weit über dem zulässigen Grenzwert lagen. Wegen akuter Gesundheitsgefahr - Benzole gelten allgemein als krebserregend - musste die Ware wieder ausgeräumt werden.

Fast 2000 Mal schlugen Europas Kontrolleure im vergangenen Jahr Alarm, weil sie gefährliche Produkte fanden. Ihre Meldung ging über das Rapex-Meldesystem der EU an alle Mitgliedstaaten. Gestern veröffentlichte die Kommission in Brüssel ihren Bericht für das Jahr 2009. Die schlechte Nachricht: Sieben Prozent mehr Waren mussten wegen Gefährdung des Verbrauchers vom Markt genommen werden. Die gute Nachricht: Inzwischen ziehen alle Länder mit. Dadurch fallen den Prüfern häufiger riskante Güter auf. Insgesamt 1993 im Vorjahr. 60 Prozent der Warnungen entfielen auf Spielzeug (472). Textilien und Bekleidung wurden 385 Mal gerügt, 146 Vorfälle betrafen Autos. Auf Platz vier folgen Elektroartikel, die schon mal tödliche Stromstöße abgeben. EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli lobte gestern vor allem das "gute Beispiel für Zusammenarbeit der EU-Staaten". Lange Jahre hatte man sich in Brüssel über die mangelnde Kooperation einzelner Länder geärgert. Der Bann scheint gebrochen. 220 Meldungen kamen aus Spanien, 187 Mal registrierten deutsche Kontrolleure Verstöße gegen die Richtlinien der Gemeinschaft. Es folgen Griechenland (154) und Bulgarien (122).

Doch so positiv die Rapex-Bilanz für 2009 auch ausfällt, Grund zur Entwarnung gibt es nicht. Im Rahmen einer Studie untersuchten die Marktüberwachungsbehörden von 13 EU-Staaten - darunter Deutschland - im Vorjahr 14 000 Spielzeuge gezielt, 803 Produkte nahmen sie mit ins Labor. Das Ergebnis: Über 200 Produkte versagten bei der mechanischen Sicherheit, 17 wiesen einen zu hohen Schwermetallgehalt auf. Unterm Strich habe jedes vierte Spielzeug die Anforderungen nicht erfüllt, die die EU an diese Produkte für die Jüngsten stellt. Die Zahl steigt weiter, obwohl die Hersteller nach Erkenntnissen Brüssels inzwischen schneller auf Kritik der Marktbeobachter reagieren würden.

Dennoch gibt es Kritik. Es sei zwar gut, gefährliche Warengefährliche Waren wieder zurückzurufen oder aus dem Angebot zu nehmen. Besser aber wäre es, wenn die riskanten Produkte erst gar nicht dorthin kämen, heißt es im Europa-Parlament.

Die SPD-Europa-Abgeordnete Evelyne Gebhardt zum Beispiel sagt: "Marktbeobachtung ist ja schön und gut, jedoch plädiere ich für eine bessere und effektivere Kontrolle schon bei der Einfuhr. Ich fordere außerdem von der Kommission, dass sie ernste Gespräche mit den exportierenden Staaten führt, um auszuschließen, dass unsichere oder schädliche Produkte überhaupt hergestellt werden."

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