Köhler fordert eine Kultur der Achtsamkeit

Köhler fordert eine Kultur der Achtsamkeit

Berlin. Bundespräsident Horst Köhler (Foto: dpa) hat die Deutschen zu einer "Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung" aufgerufen. "Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben", sagte Köhler in seiner Weihnachtsansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird

Berlin. Bundespräsident Horst Köhler (Foto: dpa) hat die Deutschen zu einer "Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung" aufgerufen. "Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben", sagte Köhler in seiner Weihnachtsansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird. Fälle wie der Amoklauf von Winnenden oder die tödliche Attacke auf den couragierten Münchner Dominik Brunner machten ratlos. Zugleich stecke in diesen Taten aber auch die Aufforderung, "nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben".

Beim Amoklauf von Winnenden am 11. März hatte ein 17-Jähriger in seiner Realschule und bei seiner anschließenden Flucht insgesamt 15 Menschen und dann sich selbst erschossen. Der 50-jährige Geschäftsmann Brunner wurde Mitte September an einem Münchner S-Bahnhof von Jugendlichen zu Tode geprügelt, nachdem er sich schützend vor vier Kinder gestellt hatte.

Köhler sagte, achtsam leben, das heiße auch, sich für eine gerechte Ordnung in Deutschland und der Welt einzusetzen. "Da gibt es noch viel zu tun", betonte er mit Blick auf die Finanzbranche. Gerade erst habe die Gesellschaft erlebt, wie Maßlosigkeit bei Banken und Mängel bei der staatlichen Aufsicht die Welt in eine tiefe Krise gestürzt hätten. "Wir brauchen Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft", sagte Köhler. Er forderte Einkehr von den Verantwortlichen. Auch mit den natürlichen Lebensgrundlagen müsse die Gesellschaft achtsamer umgehen. Die Politik müsse über den Tag hinaus denken und handeln.

Die großen Kirchen riefen zu Lebensmut und Optimismus trotz weltweiter Probleme auf. Es gebe in der Gesellschaft eine verbreitete Angst, nicht mehr mithalten zu können, sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann, und warnte vor einer "Atmosphäre der Gnadenlosigkeit". Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, warb in einer Weihnachtsbotschaft für mehr Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität in der Gesellschaft. dpa/epd/ddp

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