1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Klimagipfel steht das Wasser bis zum HalsDie Streitpunkte der Konferenz in Durban

Klimagipfel steht das Wasser bis zum HalsDie Streitpunkte der Konferenz in Durban

Lehmhütten in afrikanischen Slums werden von Wassermassen hinfortgespült, Häuserteile und Autos in der Karibik fliegen bei Wirbelstürmen wild durch die Luft, und Inseln im Pazifik versinken allmählich im Meer: Was klingt wie Szenen aus einem Horrorfilm, könnte bis Ende des Jahrhunderts immer häufiger traurige Realität auf der Erde sein

Lehmhütten in afrikanischen Slums werden von Wassermassen hinfortgespült, Häuserteile und Autos in der Karibik fliegen bei Wirbelstürmen wild durch die Luft, und Inseln im Pazifik versinken allmählich im Meer: Was klingt wie Szenen aus einem Horrorfilm, könnte bis Ende des Jahrhunderts immer häufiger traurige Realität auf der Erde sein. Das Szenario, das der Weltklimarat IPCC in einem Sonderreport zum Thema "extreme Wetterphänomene und der Umgang damit" zeichnet, ist mehr als düster. Nach Auffassung von Experten bleibt zudem nicht mehr viel Zeit, um den Trend, der durch die globale Erderwärmung ausgelöst wird, umzukehren.Da aber wahrscheinlich auch beim UN-Klimagipfel ab morgen in Durban keine durchgreifenden Entscheidungen fallen werden, soll das Übel auf andere Weise an der Wurzel gepackt werden. Will heißen: Vorsorge ist besser als Nachsorge, wie es der Klimaexperte des Internationalen Roten Kreuzes und Mitverfasser des Berichts, Maarten van Aalst, auf den Punkt brachte. "Wir müssen den betroffenen Menschen und Regionen helfen, bevor diese Katastrophen passieren", sagt er. "Das Rote Kreuz etwa unterstützt viele Länder bereits bei der Anpflanzung von Bäumen, um Erdrutschen vorzubeugen."

Katastrophenvorsorge lautet also das Zauberwort, statt - wie lange geschehen - erst nachher die Scherben aufzusammeln und viel Geld in den Wiederaufbau von Dörfern und Landstrichen zu stecken. "Ein Dollar, der dafür ausgegeben wird, Katastrophen vorzubeugen, kann vier Dollar sparen, die hinterher in den Wiederaufbau gesteckt werden müssten", rechnet Van Aalst vor.

Besonders dramatisch ist zudem die Tatsache, dass aller Wahrscheinlichkeit nach wieder überwiegend die Ärmsten der Armen unter den extremen Wetterbedingungen leiden werden. Für Europa werden zwar ebenfalls längere Dürreperioden sowie eine Zunahme von Hitzewellen prognostiziert. Aber dies führt wahrscheinlich vor allem zum vermehrten Kauf von Klimaanlagen und Ventilatoren sowie zu stärkeren wirtschaftlichen Verlusten in einzelnen Staaten. Für die Menschen in Entwicklungsländern sieht die Sache anders aus: Sie bezahlen häufig mit dem Leben. Allein in den vergangenen 40 Jahren ereigneten sich dem Weltklimarat zufolge 95 Prozent der durch Naturkatastrophen verursachten Todesfälle in Entwicklungsländern.

"Die durch den Klimawandel verursachten Kosten betragen Dutzende Milliarden Dollar, und dies ist vor allem in den reichen Ländern spürbar, weil sie mehr zu verlieren haben", erklärt Van Aalst. "In den armen Ländern leiden die Menschen hingegen und viele sterben." Deshalb mache es einen großen Unterschied, ob die Botschaft des Berichts nun schnell umgesetzt wird oder nicht - denn mit gutem Katastrophenschutz können Menschenleben gerettet werden. "Es liegt jetzt an den Regierungen, der Zivilgesellschaft und den einzelnen Gemeinden, die Botschaft zu verinnerlichen und die Risiken zu reduzieren." Ein Weckruf an die Weltgemeinschaft ist der Report allemal. Van Aalst formuliert es so: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, mit unserem ,business as usual'", dann sind wir alle in großen Schwierigkeiten." Klimavertrag: Ein umfassendes Abkommen ist nicht in Sicht. Nach einem Vorschlag der EU sollen sich Kyoto-Staaten zu Reduktionszielen verpflichten, aber nur unter der Voraussetzung, dass sich die anderen Staaten bereiterklären, in ein paar Jahren mit an Bord zu kommen.

Grüner Klimafonds: Die Länder vereinbarten bereits die Gründung eines Fonds, aus dem ärmere Staaten Geld für die Anpassung an den Klimawandel und für eine klimafreundliche Entwicklung erhalten können. 100 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) sollen ab 2020 jährlich eingezahlt werden. In Durban könnte das Gerüst für den Fonds beschlossen werden und eine Anschubfinanzierung etwa für die Verwaltung, damit der Fonds arbeitsfähig wird. Mit Geld wird der Fonds wahrscheinlich noch nicht gefüllt, es gibt aber Überlegungen, etwa Abgaben aus dem Schiffsverkehr dafür zu nutzen.

Waldschutz: Aus dem Klimafonds könnte auch Geld für den Waldschutz in ärmeren Ländern fließen. Noch ist jedoch umstritten, ob der Wald mit öffentlichem Geld geschützt werden soll oder mit Geld von der Industrie, die dann ihren eigenen Treibhausgasausstoß nicht mehr so stark reduzieren muss.

Treibhausgas-Lücke: Weil die vorgelegten Klimaziele aller Länder nicht reichen, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, werden die Länder aufgefordert, mehr zu tun. dpa