1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Klassenprimus Sachsen punktet mit zweigliedrigem Schulsystem

Klassenprimus Sachsen punktet mit zweigliedrigem Schulsystem

Leipzig. Sachsen ist beim jüngsten Pisa-Test erstmals Klassenprimus. Beim Lesen, in Mathematik und vor allem in den Naturwissenschaften heimst der Freistaat die besten Noten ein und überflügelt sogar den bisherigen Spitzenreiter Bayern. Was aber macht das sächsische Schulsystem so erfolgreich? Experten sehen einen Mix von Ursachen

Leipzig. Sachsen ist beim jüngsten Pisa-Test erstmals Klassenprimus. Beim Lesen, in Mathematik und vor allem in den Naturwissenschaften heimst der Freistaat die besten Noten ein und überflügelt sogar den bisherigen Spitzenreiter Bayern. Was aber macht das sächsische Schulsystem so erfolgreich? Experten sehen einen Mix von Ursachen. So gilt das zweigliedrige Schulsystem aus Gymnasium und Mittelschule als beispielhaft. Sachsen Schüler profitieren zudem von vergleichsweise kleinen Klassen. Nicht zuletzt der große Stellenwert der Naturwissenschaften im Unterricht wirkt sich auf den Leistungsdurchschnitt aus. Die naturwissenschaftlichen Fächer beanspruchen an den sächsischen Mittelschulen, also bei den Schülern von der fünften bis zehnten Klasse, im Schnitt 26 Wochenstunden. Im Vergleich dazu lag in Nordrhein-Westfalen laut einer Studie von 2005 die Zahl der Wochenstunden in Biologie, Chemie und Physik je nach Schulart zwischen 19 und 23 Stunden. "Der Stundenanteil der Naturwissenschaften ist in allen neuen Ländern deutlich höher als im Westen", sagt der Bildungsforscher Klaus Klemm. Prestige wie zu DDR-ZeitenBereits zu DDR-Zeiten sei das Prestige dieser Fächer "sehr hoch" gewesen. "Das lebt in den Köpfen weiter und sichert dem Fach eine starke Stellung", meint der Experte. Selbst international erreicht Sachsen auf diesem Gebiet Spitzenniveau und liegt im Pisa-Test hinter Finnland auf Platz zwei. Nach Angaben von Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) beträgt der Anteil der MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, am Gesamtunterricht mehr als 30 Prozent. Als einziges Bundesland hat Sachsen zudem festgeschrieben, dass seit diesem Schuljahr Physik, Chemie und Biologie in der Oberstufe verpflichtend belegt werden müssen. Auch beim Betreuungsverhältnis zwischen Schülern und Lehrern steht Sachsen wegen der drastisch gesunkenen Schülerzahlen gut da.