Köln/Saarbrücken: Klagen über lahmen Breitbandausbau

Köln/Saarbrücken : Klagen über lahmen Breitbandausbau

Immer mehr Unternehmen klagen über schlechte Straßen, Funklöcher und lahme Internetverbindungen. Oft hemmt die Bürokratie.

  Immer mehr deutsche Unternehmen klagen nach einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) über schlechte Straßen, Funklöcher und lahme Internetverbindungen. Insbesondere der fehlende Breitbandausbau in vielen Regionen belaste die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Diese fordern schnelles Internet, um Daten rasch an Kunden weiterleiten zu können und ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

68 Prozent von insgesamt 2600 befragten Unternehmen sehen demnach ihre Geschäfte durch Mängel der Infrastruktur beeinträchtigt, teilte das  arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln gestern mit. Das waren zehn Prozentpunkte mehr als noch fünf Jahre zuvor. Die größten Probleme verursachen nach der Umfrage Straßen und Kommunikationsnetze.

Allerdings sind die Probleme nicht überall gleich ausgeprägt. Die schlechtesten Straßen gibt es nach Ergebnissen der Studie in Nordrhein-Westfalen, wo sogar 78 Prozent der Firmen Infrastrukturmängel beklagten. Bei Mobilfunk und Internet gibt es den größten Frust derzeit in Ostdeutschland. Dort bemängelt fast ein Drittel der Firmen sogar „deutliche Beeinträchtigungen“, wie es in der Studie heißt.

Der Norden mit Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen schneidet vergleichsweise gut ab, dort sieht sich lediglich ein knappes Viertel der Unternehmen deutlich beeinträchtigt. Am stärksten beeinträchtigt fühlen sich laut Studie die auf gute Straßen angewiesene Bauwirtschaft und die Dienstleistungsbranche.

„Bei den Straßen gibt es die meisten Probleme auf kommunaler Ebene“, sagt Heiko Stiepelmann, Vize-Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. „Im kommunalen Bereich hat sich der Investitionsstau in den vergangenen Jahren eher noch vergrößert.“ Der Bund hingegen unternehme große Anstrengungen, Bundesstraßen und Autobahnen zu modernisieren. „Das muss man anerkennen, das unterstützen wir sehr.“ Momentan aber tragen die Milliardeninvestitionen des Bundes in die Fernstraßen sogar zur schlechten Bewertung bei, wie aus der IW-Studie hervorgeht. „Denn mehr Baustellen bedeuten zunächst einmal mehr Staus und betriebliche Beeinträchtigungen“, heißt es in dem Papier.

Achim Berg, Chef des digitalen Branchenverbandes Bitkom. Foto: dpa/Peter Steffen

In Sachen Telekommunikation fordert auch der Digitalbranchenverband Bitkom einen flotteren Ausbau schneller Internetverbindungen. „Der Ausbau des Breitbandes in Deutschland ist besser als sein Ruf, denn Deutschland ist hier in den vergangenen Jahren gut vorangekommen“, sagte Verbandspräsident Achim Berg. Die Anforderungen an die Netze stiegen nach Worten des Bitkom-Chefs jedoch „von Tag zu Tag“. „Deswegen ist es wichtig, dass der Glasfaserausbau weiter entschlossen vorangetrieben wird, Gewerbegebiete müssen dabei vorrangig versorgt werden“, so die Forderung. Die Hauptkritik bei Bitkom: „Der Dschungel an bürokratischen Vorschriften und behördlichen Genehmigungsverfahren verhindert vielerorts einen schnellen Glasfaserausbau.“ Das Saarland soll bis Ende 2018 flächendeckend mit schnellem Internet ausgestattet sein. Das sehen die Planungen der Staatskanzlei vor. Auch künftige Gewerbegebiete in der Region sollen bevorzugt mit schnellem Internet geplant und versorgt werden. Die Digitalisierung sieht die Staatskanzlei auch als oberstes Ziel an, um Unternehmen in der Region möglichst konkurrenzfähig zu machen. Dieses Ziel spiele auch in der  Ansiedlungspolitik des Landes eine große Rolle.

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