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Kirche geißelt die Vergötzung des Geldes

Kirche geißelt die Vergötzung des Geldes

Bremen. Der Staat muss neue Regeln setzen, um die zerstörerische Gewinnsucht der Wirtschaft zu bremsen. Das hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gestern zu Beginn ihrer Synode in Bremen gefordert. An die Stelle von Habgier und einer "Vergötzung des Geldes" müsse soziale Gerechtigkeit treten, sagte EKD-Chef Bischof Wolfgang Huber (Foto: dpa)

Bremen. Der Staat muss neue Regeln setzen, um die zerstörerische Gewinnsucht der Wirtschaft zu bremsen. Das hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gestern zu Beginn ihrer Synode in Bremen gefordert. An die Stelle von Habgier und einer "Vergötzung des Geldes" müsse soziale Gerechtigkeit treten, sagte EKD-Chef Bischof Wolfgang Huber (Foto: dpa).

Zugleich forderte Huber angesichts der Finanzmarktkrise, die "quasi religiöse Leistungs-Ideologie" zu überwinden. Die Akteure der Wirtschaft gehorchten einem "gnadenlosen Wettbewerb um die besten Quartalszahlen" und steckten in einem System von Bonus-Zahlungen "für das höchste statt für nachhaltiges Wachstum" fest. Huber verlangte daher ein Eingreifen des Staates, um die Bosse rechtlich und ethisch in die Verantwortung zu nehmen. Die Politik müsse dafür die Rahmenbedingungen schaffen - inklusive einer Begrenzung der Manager-Gehälter. Dies habe er "schon lange für sinnvoll gehalten", betonte der Bischof.

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU, Foto: ddp) plädierte für ein Eingreifen des Staates. Ungezügelter Ehrgeiz und die Gier nach immer größerem Reichtum "höhlen die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens aus", sagte Schäuble in einem Grußwort an die Synode. Der Staat müsse deshalb regelnd und ausgleichend tätig werden: "Wir brauchen Werte, wir brauchen Grenzen."

Der Chef der evangelischen Kirche in Bremen, Renke Brahms, prangerte die Geldvernichtung an den weltweiten Finanzmärkten an. Dabei seien Milliarden verzockt worden, die "wir doch viel dringender brauchen für die enormen Herausforderungen durch Armut und Klimawandel, um Menschen einen gerechten Zugang zu sauberem Wasser und damit zum Überleben zu gewährleisten". Auch jeder Einzelne müsse sich mit seiner eigenen "Schnäppchenjäger-Mentalität" und "Gier nach Mehr und vergänglichem Gewinn" kritisch prüfen, mahnte Brahms. dpa/epd