Kein Knicks für die Queen

London/Dublin. Im Norden der Insel herrscht sie noch als Königin, in den Süden kam sie als Gast. In ihrer bald 60-jährigen Regierungszeit düste Königin Elizabeth II. rund um den Erdball, um über 100 Länder mit einem Staatsbesuch zu beehren. Nun schaffte sie endlich den Katzensprung über die Irische See, um zum ersten Mal den Boden des Nachbarlandes zu betreten

London/Dublin. Im Norden der Insel herrscht sie noch als Königin, in den Süden kam sie als Gast. In ihrer bald 60-jährigen Regierungszeit düste Königin Elizabeth II. rund um den Erdball, um über 100 Länder mit einem Staatsbesuch zu beehren. Nun schaffte sie endlich den Katzensprung über die Irische See, um zum ersten Mal den Boden des Nachbarlandes zu betreten. Als "ein Symbol für die Heilung historischer Wunden und den Mut für die Zukunft" sieht der irische Regierungschef Edna Kenny den viertägigen Staatsbesuch der Queen in der irischen Republik. Einen Knicks gab es für Elisabeth beim Empfang jedoch nicht - nur Händeschütteln "auf Augenhöhe". Auf keinen Fall solle der Eindruck entstehen, es träfen sich "Herrscher und Untertan", hieß es bei der BBC."Bombenstimmung" herrschte bei der Polizei, die in der Nacht vor dem Eintreffen der Königin einen Sprengsatz entschärfte. Die kleine Bombe lag im Gepäckraum eines Überlandbusses, der auf dem Weg nach Dublin war. Eine andere Bombe wurde auf den Gleisen einer Nahverkehrsbahn entdeckt, aber sie entpuppte sich als Attrappe. 8000 Polizisten und Soldaten sicherten diesen Staatsbesuch, der fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Alle Schauplätze des königlichen Besuchs wurden hermetisch abgeschirmt und nur ausgewähltes "Volk" durfte einen Blick auf die Queen werfen.

Zu Ehren ihres Gastlandes trug die Königin ein Kostüm im Smaragdgrün der irischen Landesfarbe. Ihr Großvater König Georg V. besuchte vor 100 Jahren als letzter Monarch Irland, das damals noch die älteste britische Kolonie war. Die 800 Jahre britischer Herrschaft waren einerseits von zahlreichen blutigen Aufständen geprägt, andererseits von der wohl fruchtbarsten kulturellen Synthese seit der römisch-hellenistischen Periode. Nach harten Kämpfen erreichte der Süden Irlands 1922 die Unabhängigkeit als Freistaat und rief 1937 die Republik aus. Der Norden mit seiner dominierenden protestantischen Bevölkerung blieb britische Provinz. Dies führte in den 60er Jahren zu einem Untergrundkrieg der beiden Bevölkerungsgruppen, der erst 1998 durch das Abkommen für eine friedliche Koexistenz beendet wurde. 3600 Menschen starben in dem Konflikt, darunter auch Lord Louis Mountbatten, der Cousin der Queen.

Ungeachtet der dunklen Berührungspunkte in ihrer langen, gemeinsamen Geschichte gibt es zwischen den zwei Nachbarländern doch auch enge Beziehungen. Die Eltern oder Großeltern von sechs Millionen Briten stammen aus Irland. Im Sport und der Kultur des Königreichs sind irische Namen überproportional vertreten. Großbritannien und Irland sind die wichtigsten Handelspartner füreinander. Jeweils drei Millionen Iren und Briten besuchen jährlich als Touristen das Nachbarland. Die irische Staatspräsidentin Mary McAleese, deren Staatsbesuch von 1993 die Queen jetzt erwidert, begrüßt dies als "phänomenales Zeichen und Signal für den Erfolg des Friedensprozesses".

Republikanischer Protest

Die leidvollen Aspekte der Vergangenheit sparte die Queen nicht aus. So legte sie einen Kranz im "Garten des Gedenkens" für die irischen Freiheitskämpfer nieder, die bei den Aufständen gegen die Kolonialmacht getötet wurden. Sie besucht auch das Sportstadion von Dublin, in dem britische Truppen 1920 ein Massaker unter den Zuschauern eines Fußballspiels anrichteten. Freudiger ist die Besichtigung eines Gestüts, das auch den Rennstall der pferdenärrischen Königin mit den berühmten irischen Vollblütern versorgt.

Extrem republikanische Splittergruppen protestierten zwar gegen die "britische Kriegsverbrecherin Elizabeth Windsor", aber sie wurde generell auf der Insel so warm und freundlich empfangen, wie jeder britische Gast. Proteste richteten sich weniger gegen die Queen als gegen die hohen Kosten, die ihre Reise dem bankrotten Staat aufbürdet, zumal sich auch US-Präsident Barack Obama diesen Monat in Dublin angesagt hat. "Unsere Beziehungen sind herzlich und entspannt", bemerkte der irische Parlamentsabgeordnete Richard Barnett. "Für was brauchen wir dann diesen Zirkus, der uns 30 Millionen kostet?"

Doch die Reisen der Queen und des amerikanischen Präsidenten zur grünen Insel werden von vielen Iren auch als Zeichen dafür gewertet, dass ihr Land nicht abgeschrieben ist. Und das ist in den harten Zeiten der Wirtschaftskrise endlich ein willkommener Grund zum Feiern.